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Jules Massenet

Sämtliche Solo-Klavierwerke

Stefan Irmer

MDG/Codaex MDG 618 1729
(79 Min., 6/2011)

Wer sich im 19. Jahrhundert ganz der Oper verschrieben hatte, dem fehlten zumeist die Kräfte und auch die Fantasie, um auf dem Gebiet der Instrumentalmusik gleichermaßen zu reüssieren. Jules Massenet, dieser französische Vielschreiber und Schöpfer solcher Evergreens wie „Manon“, ist dafür ein Paradebeispiel. Einige elegante Orchestersuiten, eine Handvoll Kammermusik sowie gerade mal ein Klavierkonzert sprechen eine eindeutige Sprache. Dass sich Monsieur darüber hinaus in seiner Freizeit immer wieder allein ans Klavier gesetzt hat, um seinen Gedanken in bestem Salonton freien Lauf zu lassen, interessierte selbst einschlägige Klavier-Enzyklopädien kaum. Zum Glück aber gibt es Stefan Irmer. Diesen Pianisten, der mit dem nötigen Gespür und Herz für das einnehmend Leichte und reizvoll Nostalgische schon den Klavierkomponisten Gioacchino Rossini erfolgreich rehabilitieren konnte. Nun hat Irmer auf einem voll in Saft und Klangfülle stehenden Steinway von 1901 das gesamte Solo-Klavierwerk von Massenet eingespielt.
Im Laufe von immerhin 46 Jahren sind diese oftmals nicht länger als eine Minute dauernden Piècen entstanden (die letzte stammt von 1907). Und obwohl sich in dieser Zeitspanne die musikalische Welt enorm weitergedreht hatte, blieb Massenet auch auf den schwarzen und weißen Tasten dem einmal eingeschlagenen Ton treu. Mit generösem Schwung und liebenswürdigem Flair gestaltete er seine spieltechnisch nicht zu unterschätzenden Charakterstückchen. Und bisweilen zog er gar die beeindruckende „Prestissimo“-Karte, in einer wild aufgeschäumten „Toccata“ oder in einer „Valse folle“, der sich Irmer mit makellosem Jeu perlé stellt. Dass es den Opernkomponisten Massenet aber durchaus auch mondän in den Fingern juckte, bewies er 19-jährig in einer „Grande Fantaisie“ über ein Thema aus Giacomo Meyerbeers Oper „Le Pardon de Ploërmel“. Und auch hier wirft sich Stefan Irmer einfach nur brillant und treffsicher ins Zeug. Beim Namen Jules Massenet denkt man ab sofort nicht mehr nur an „Manon“ oder „Werther“.

Guido Fischer, 25.02.2012



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