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Peter Eötvös, Carl Nielsen, Aulis Sallinen

Levitation, Klarinettenkonzert op. 57, Konzert für Klarinette, Viola und Orchester op. 91

Christoffer Sundqvist, Tommi Aalto, Hannu Lintu, Okko Kamu, Finnisches Radio-Sinfonieorchester

Alba/Klassik Center ABCD314
(68 Min., 10/2009, 2/2010 und 5/2010) SACD

Finnland bietet einen guten Nährboden für Klarinettisten: Schon der erste bedeutende finnische Komponist war ein Virtuose auf diesem Instrument, das auch in der Volks- und Tanzmusik des Landes eine wichtige Rolle spielt. Nun hat mit dem 34-jährigen Christoffer Sundqvist eines der jüngsten Talente des Landes ein wunderbar stimmig konzipiertes Album vorgelegt. Alle drei Kompositionen lassen sich einer unideologischen Avantgarde zurechnen, alle sind sie bedeutenden Klarinettisten auf den Leib geschrieben und alle sind sie in einem dialogisch-kammermusikalischen Geiste geschrieben, der auch Christoffer Sundqvists Stärke ist. Das gilt für die titelgebende „Levitation“ des Stockhausen-Schülers Peter Eötvös: eine Komposition, die eine Traumvision vom schwerelosen Fliegen auf völlig unkitschige Weise in feinsinnige Klangfarbeneffekte übersetzt. Es gilt erst recht für das 1928 entstandene Klarinettenkonzert von Carl Nielsen, das Sundqvist und der junge Dirigent Hannu Lintu trotz der einkomponierten Perkussionseffekte nicht bloß expressionistisch aufrauen, sondern mit großer Achtsamkeit leuchten und atmen lassen. Und Aulis Sallinens Doppelkonzert für Bratsche und Klarinette von 2007, das im Geiste Brigitte Bardots das Verhältnis von Mensch und Tier ergründen will? Nun, die Eröffnung, die schildert, wie sich zwei Delphine im Netz eines Fischerbootes verfangen, ist sicher etwas bildhaft plakativ – aber was macht das, wenn der aus der Unterwasserperspektive gezeichnete Bootschatten so überzeugend dräut, wenn das ganze Werk von einem handwerklich überlegenen Kontrapunkt durchzogen ist und wenn dann auch noch ein so gelassen wie packend dirigierender Altmeister wie Okko Kamu am Pult steht!

Carsten Niemann, 03.03.2012



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