Responsive image
Joseph Haydn

Violinkonzerte Nr. 1, 3 & 4

Giuliano Carmignola, Orchestre des Champs-Élysées

DG/Universal 4778774
(59 Min., 2/2011)

Zu den Spitzenkräften, die in Joseph Haydns Orchester in Esterháza saßen, gehörte auch der Italiener Luigi Tomasini. Dem Konzertmeister komponierte Haydn nur wenige Jahre nach Amtsantritt gleich sein erstes Violinkonzert in die flinken Finger. Wie es zu der bis heute weithin gängigen Haydn-Rezeption gehört, hat sich auch dieses geistvolle Konzert aber nicht aus dem Schatten der großen Konkurrenz à la Mozart befreien können. Obwohl allein der langsame Satz mit seinem erfüllenden ‚Gesang‘ eine glückspendende Kostbarkeit ist. Wenn sich jedoch selbst dieses kleine Wunderwerk nicht auf Dauer durchsetzen konnte, wie wird es fortan den Geschwisterwerken ergehen? Tatsächlich hat Haydn noch drei weitere Violinkonzerte geschrieben. Von der Nummer 2 fehlt bis heute jede Spur, von den Konzerten Nr. 3 & 4 die Autografe. Immerhin konnte von ihnen im 20. Jahrhundert eine ordentliche Druckfassung erstellt werden.
Nun hat sich der italienische Violinist und Alte Musik-Spezialist Giuliano Carmignola an eine Gesamteinspielung dieser Haydn-Konzerte gemacht. Zuallererst ist man verblüfft und sofort auch davon angetan, wie er sich mit den Streichern des Orchestre des Champs-Élysées so gar nicht an den asketischen Purismus und die effektvollen Exzesse der Originalklangbewegung hält. Dabei ist jedes der Konzerte mit technischen Höchstschwierigkeiten gespickt. Doch die Zeiten sind auch bei Carmignola passé, in denen er sich bravourös um Kopf und Kragen spielte. So umschmeichelt er lieber das Ohr, begeistert es für die Finessen und die Vitalität, hinter der Haydns typische intellektuelle Verspieltheit und sein Sinn für subtil eingewobene Stimmungsänderungen zu erleben sind. Giuliano Carmignola zeigt: Man kann bei Haydn seinen Spaß haben – aber auf die leichte Schulter sollte man ihn nie nehmen.

Guido Fischer, 10.03.2012



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top