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Georg Friedrich Händel

Il pastor fido

Lucy Crowe, Anna Dennis, Katherine Manley, Clint van der Linde u.a., David Bates, La Nuova Musica

harmonia mundi HMU 907585-6
(155 Min., 8/2010) 2 CDs

1711 gab der 26-jährige Georg Friedrich Händel mit „Rinaldo“ seinen Einstand auf den Londoner Opernbrettern. Und der Erfolg war riesig. Auch dank der ersten Sänger-Garde und einer spektakulären Bühnenausstattung. Doch ein Jahr später erlebte Händel bei seiner zweiten Londoner Oper dann ein kleines Waterloo. Statt prachtvoller Optik wurde dem Publikum jetzt ein Einheitsbühnenbild geboten, das man wohl aus dem Theater-Fundus zusammengezimmert hatte. Noch entscheidender für den Misserfolg war aber, dass Händel sich nun mit „Il pastor fido“ der intimeren Musiktheater-Gattung „Pastorale“ verschrieben hatte, mit denen die Engländer so gar nichts anfangen konnten.
Natürlich wird auch in diesem Arkadien anno 1712 die Liebe zwischen einem Schäfer und einer Nymphe auf die Probe gestellt. Und traditionsgemäß können sie – nach so manchen Störfeuern und Eifersüchteleien – ihr Happy-End feiern: eine Geschichte von der Stange. Händels Musik dagegen erweist sich als eine Wundertüte voll von magisch zärtlichen und nachdenklichen Arien für die Ewigkeit, so dass man sich fragen muss, ob das Publikum damals auf seinen Ohren saß. Aber wahrscheinlich waren sowohl Sänger als auch das nur mit Streichern und Holzbläsern besetzte Mini-Orchester meilenweit entfernt von jener Güteklasse, mit der man jetzt die von Händel später noch mal überarbeitete Originalfassung weltersteingespielt hat. Das junge englische Alte Musik-Ensemble La Nuova Musica glänzt unter der Leitung von David Bates mit einer entspannten Italianità. Und aus dem Vokal-Ensemble ragt Lucy Crowe als angebetete Nymphe mit feinster Leuchtkraft heraus – während ihre Soprankolleginnen Anna Dennis und Katherine Manley das Berückende und Entrückende mustergültig kultivieren. Da wäre man allzu gerne einmal Hirte gewesen …

Guido Fischer, 31.03.2012



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