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Chaal Baby

Red Baraat

Jaro 4307-2
(55 Min.)

Balkan-Bläser, Bollywood-Schlager, Marching-Band-Rock à la Trombone Shorty – bei der neunköpfigen New Yorker Formation Red Baraat könnte der Eindruck entstehen, dass ein genialischer Worldmusic-Produzent alles in einen Schmelztiegel geworfen hat, was Ethno-Fans in den vergangenen Jahren zum Tanzen brachte.
Dem ist allerdings nicht so. Hinter Red Baraat steht der in Rochester/New York aufgewachsene Schlagzeuger und Perkussionist Sunny Jain, der ähnlich wie Vijay Iyer die Musik seiner indischen Eltern in einen modernen US-amerikanischen Kontext setzt. Und wie er das tut!
Ähnlich wie beim namensgebenden „Baraat“, dem traditionellen nordindischen Hochzeitsumzug, steht auch hier die Dhol, eine fassförmige Umhängetrommel, im Zentrum des Geschehens. Gemeinsam mit zwei weiteren Perkussionsinstrumenten sorgt sie bei Red Baraat für eine fingerflirrende, brodelnde Rhythmusbasis, die die sechs Bläser – darunter ein ausnehmend wendiges Sousafon als Bassstimme – zum Abheben bringt.
Gewiss: Red Baraat macht 1a Tanzmusik im Geiste von Fanfare Ciocarlia oder Goran Bregovic und lässt dabei ungehemmt New-Orleans-Backbeats auf indischen Folklore-Frohsinn los. Auch live ist die Band eine Wucht, wie die zwei vor Humor und HipHop-Vibes strotzenden Konzertmitschnitte am Ende des Albums beweisen. Was Red Baraat aber so besonders macht, sind die vorzüglichen Solisten sowie die überraschend feinsinnigen Bläserarrangements. Bei „Arcana“ und „Samaro Mantra“ meint man doch glatt, Gil Evans und Vince Mendoza lächelnd auf einem indischen Elefanten sitzen zu sehen.

Josef Engels, 07.04.2012



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