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Radio Music Society

Esperanza Spalding

Concord/Universal 7233174
(57 Min., 2011)

Bei dieser Vorankündigung bekam man schon ein wenig Angst: Sie wolle ein Album herausbringen, das den Jazz wieder ins Mainstreamradio bringe, hatte Esperanza Spalding vor der Veröffentlichung von „Radio Music Society“ erklärt. Die Sorgen sind allerdings unbegründet. Mit angehiphopptem Formatgedudel hat die neue Aufnahme der jungen Bassistin und Sängerin nichts zu tun.
Die CD wirkt eher wie ein sehnsuchtsvoller Ausflug in die Zeit, als in den Radios noch Pop gespielt wurde, der den Hörern durchaus auch mal etwas abverlangen durfte. Spaldings Stücke klingen dementsprechend mal nach Steely Dan („Radio Song“, „Let Her“) oder Ray Charles („Hold On Me“), liebäugeln mit dem Qualitäts-Soul von Stevie Wonder oder erinnern dezent an die radiokompatiblen Auswüchse des Jazzrock aus den 70er Jahren. Nicht von ungefähr stammen die beiden einzigen Fremdkompositionen auf dem Album auch von Wonder („I Can’t Help It“) und Wayne Shorter („Endangered Species“).
„Radio Music Society“ löst sicherlich nicht das Erstaunen aus, das Spalding für ihre ersten Aufnahmen ernten konnte. Die 27-Jährige, die ihren Leib- und Magen-Kontrabass zugunsten eines solide grummelnden E-Bass’ zurückstellt, zeigt aber, dass sie sich als Sängerin mit durchaus sozialem Bewusstsein in jedem jazzaffinen Genre der vergangenen Jahrzehnte souverän zu behaupten weiß. Diese eigentümliche Mischung aus musikalischer Reife und stimmlicher Unschuld macht möglicherweise den größten Reiz des Albums aus.

Josef Engels, 12.05.2012



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