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Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Franz Liszt, Carl Czerny, Johann Nepomuk Hummel u.a.

Diabelli-Variationen

Andreas Staier

harmonia mundi, HMC 902091
(67 Min., 9/2010)

Beethovens „33 Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli“ seien ein Werk, das „nicht gespielt werden darf“ schrieb einst Paul Bekker in seiner Beethoven-Monografie. Ihre völlig abstrakte Klangwelt sei nämlich „für ein Instrument geschrieben, das niemals existiert hat und niemals existieren wird.“ Kein Wunder, dass gerade die Spieler historischer Tasteninstrumente dieses Meisterwerk weitgehend ignoriert haben. Erst vor wenigen Monaten wagte Gary Cooper die erste Aufnahme der Variationen auf einem zeitgenössischen Flügel von Walter und Sohn. Jetzt aber wurde er von Andreas Staier buchstäblich überflügelt. Denn schon der Nachbau des historischen Graf-Flügels, für den sich Staier entschieden hat, wirkt präziser in der Mechanik und homogener in den Klangfarben, ohne aber die Kälte und Härte moderner Flügel zu erreichen. Von einem manierierten Vorschlag in der 28. Variation abgesehen begeistert Staiers differenziertere und gedanklich glasklar artikulierte Interpretation sehr wohl auf der Ebene der motivischen Logik, bezieht auch die klanglichen Variationsmöglichkeiten des Instruments mit ein: Diese reichen vom brillanten Virtuosenton à la Liszt über frühromantische Klangzaubereien bis hin zur barockisierenden Verbeugung vor Bach und dem ironischen Einsatz von Janitscharen- und Fagottzug. Dass Beethovens Veränderungen als visionäre, aber nicht nur autistische Antwort auf die damals zeitgenössische Musik verstanden werden können, zeigt Staier auch dadurch, dass er dem Werk eine Auswahl aus jenen Gemeinschaftsvariationen voranstellt, die 50 von Beethovens Zeitgenossen (unter ihnen Liszt, Schubert und Czerny) im Auftrag Diabellis zu dem gleichen Thema schrieben. An dieser Aufnahme wird man nicht mehr vorbeikommen.

Carsten Niemann, 12.05.2012



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