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Robert Schumann

Klavierquintett op. 44, Klavierquartett op. 47

Alexander Melnikov, Jerusalem Quartet

harmonia mundi HMC 902122
(55 Min., 7/2011)

Schumanns Einstieg in die Kammermusik kommt spät. 1842 ist er 32, so alt schon, wie Schubert niemals wurde. Doch dann gleich ein Paukenschlag: drei Streichquartette und im Sommer ein Klavierquintett, das den ängstlich erwarteten Vergleich mit Mendelssohn, ja sogar mit Beethoven standhält. Es ist das Ergebnis einer einzigen Woche, dem, in gleicher Eile geschrieben, unmittelbar ein Klavierquartett folgt. Clara hat es nicht ganz so hoch geschätzt wie das Vorgängerwerk, sehr kritische Geister wie der Musikwissenschaftler Karl Wörner zogen Schumann einige Punkte ab, vor allem wegen der süßlichen Romanze, die freilich vom Publikum als einer von Schumanns schönsten Einfällen geliebt wird. Kein Einstieg ist das Werkpaar für das Jerusalem Quartet, und vermutlich wird auch Alexander Melnikov die Noten nicht zum ersten Mal gesehen haben, als er sich im letzten Sommer mit seinen israelischen Kollegen ins Berliner Teldex-Studio begab, um diese großartige CD aufzunehmen.
Souverän klingt, was hier seinen Weg auf die Konserve fand, souverän und locker. Viel Luft strömt zwischen die Noten, die Musik ist leicht und transparent, wer will, kann hier gewissermaßen bis auf den Grund hören. Das Quartett und sein Pianist scheinen es geradezu darauf abgesehen zu haben, dass man sich genauer und länger mit diesen Stücken auseinandersetzt – sie verleiten zum Mitdenken und Nachhören: Nichts klebt zusammen, nichts drängt sich zu sinfonischer Dichte. Diese Werke bleiben Kammermusik, eher gezeichnet als gemalt, sind dynamisch, aber nicht gewaltig, drängen sich nicht auf. Wenn ein Thema intoniert wird, dann rückt hier niemand auf die Stuhlkante. Vorder- und Hintergrund sind sauber gestaffelt, man hört, was man hören soll, extra Rampenlicht fürs große Solo gibt’s nicht. Schumann, dem späten Verächter allen Virtuosentums, hätte das wohl gefallen. Die Audio-Technik ist ebenfalls tiptop. Romantiker-Herz, was willst Du mehr?

Raoul Mörchen, 26.05.2012



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