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Monsieur De Machy

Pièces de violle

Paolo Pandolfo

Glossa/Note 1 GCD 920413
(70 Min., 11/2011)

Nicht nur die französischen Musiktheoretiker waren im 17. Jahrhundert der festen Überzeugung, dass die Gambe der ideale Resonanzkörper der menschlichen Seele und Stimme ist. Auch der Schüler des seinerzeit bedeutenden Gambisten Nicholas Hotman, Monsieur De Machy, stellte fest, dass die Gambe die Stimme am besten zu imitieren versteht. Nachzulesen ist diese (stimmige) These im Vorwort von De Machys „Pièces de Violle“, einer Sammlung von acht Suiten. 1685 wurde sie veröffentlicht und damit ein Jahr vor dem ersten Notenkonvolut aus der Feder des französischen Über-Gambisten Marin Marais.
Über das Leben von De Machy ist nichts bekannt. Und selbst sein Vorname ist im Laufe der Musikgeschichte verloren gegangen. Dennoch verdient De Machy unbedingt einen Platz auf dem Gamben-Olymp. Nicht nur, weil er wohl die frühesten Suiten für ein nichtbegleitetes Streichinstrument geschrieben hat, wie Paolo Pandolfo in seinem lesenswerten Begleitessay heraushebt. In den vier ausgewählten Suiten zeigt sich De Machy als ein in sich ruhender Melodiker und formvollendeter Meister, was das harmonische Raffinement angeht.
Im Gegensatz gerade zu Marais zog es De Machy nicht zu effektvollen Lautmalereien, um die Möglichkeiten der Gambe zu dokumentieren. De Machy setzte lieber vom Ausdruck, vom tänzerischen Charme und geheimnisvoller Eleganz her auf die verlockenden Kräfte dieses Instruments. Dass er dem Spieler dennoch Höchstschwierigkeiten abverlangte, ahnt man zwar beim italienischen Spezialisten für Alte Musik. Doch Pandolfo nimmt seine wunderbar volltönige Gambe dabei so gefühlvoll an die Hand, dass man von dieser edlen Musik vom ersten Prelude bis zum letzten Menuet betört und umgarnt wird. Und die lautenähnliche „Sarabande“ der 5. Suite muss ab sofort als eines der wertvollsten Gambenstücke überhaupt gelten.

Guido Fischer, 02.06.2012



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