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One and Ten Very Sad Songs

Pizzicato One

Emarcy/Universal 0214353
(41 Min.)

Wenn man wissen will, wie sich die letzte Dekade des 20. Jahrhunderts anfühlte, muss man sich eigentlich nur die Aufnahmen der japanischen Band Pizzicato Five anhören. Ironie und Easy-Listening-Retroseligkeit paarte sich bei dem Kollektiv aus Tokio mit dem gewitzten Einsatz von Samples. Es war kein Zufall, dass sich die Gruppe im großen Spaßbeendungsjahr 2001 auflöste.
Einiges von dem, was die eklektischen Erzeugnisse der Japaner ausmachte, findet sich nun auch auf dem Solo-Album des ehemaligen Pizzicato-Five-Kopfs Konishi Yasuharu wieder. Beispielsweise das Faible für Jazz und gehobene Unterhaltungsmusik aus den 60er Jahren. Sowie die große Kennerschaft im geschmackvollen Umgang mit Klängen, Stimmen und Genres.
Entscheidender Unterschied ist jedoch die Gemütslage: Konishi Yasuharu alias Pizzicato One kultiviert eine erlesene Lebensmüdigkeit, die jedes Stück seiner punktgenau produzierten Liedersammlung – darunter Klassiker wie Lennons „Imagine“ oder die Monroe-Paradenummer „I Wanna Be Loved By You“ – mit einem Trauerrand versieht.
„One and Ten Very Sad Songs” zeichnet sich dadurch aus, dass Konishi Yasuharu für jeden Song in den Weiten des Internets, unter anderem mithilfe von Youtube-Videos, nach dem jeweils am besten geeigneten Interpreten fahndete. Bekannte Namen wie der Brasilianer Marcos Valle stehen nun mit obskuren, gleichwohl genialischen Erscheinungen wie dem in Neuseeland lebenden Briten Roy Phillips gemeinsam auf der Besetzungsliste.
Das Ergebnis ist keine Patchwork-Platte, sondern die gelungene Momentaufnahme einer globalen Unsicherheit und Traurigkeit. Hier hat mal wieder jemand, so scheint’s, den Zeitgeist eingefangen.

Josef Engels, 09.06.2012



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