Responsive image

Four MFs Playin’ Tunes

Branford Marsalis-Quartet

Emarcy/Universal 4600180
(66 Min., 10/2011)

Die Erwartungen könnten kaum größer sein. Schließlich legte das Branford Marsalis Quartet mit „Metamorphosen“ 2009 eine der intensivsten Modern-Jazz-Aufnahmen des neuen Jahrtausends vor. Der Nachfolger unterscheidet sich allerdings in wichtigen Punkten von dem Meisterstück.
Zum einen hat das Schlagzeug-Kraftwerk Jeff „Tain“ Watts die Band verlassen und wurde durch den blutjungen Justin Faulkner (Jahrgang 91) ersetzt. Zum anderen liebäugelt der Bandleader immer mehr mit der europäischen Klassik, was sich 2011 auch schon in der kammermusikalischen Duo-Einspielung „Songs Of Mirth and Melancholy“ mit Pianist Joey Calderazzo niedergeschlagen hatte.
Der Geist dieser Aufnahme durchweht stellenweise auch das Quartett-Album. Etwa in Calderazzos impressionistischer, von einem Bass-Ostinato feierlich getragenen Komposition „As Summer Into Autumns Slips“. Oder in Marsalis‘ Stück „Endymion“, das sich auch schon auf der Duo-CD befand. Das Quartett bemüht sich allerdings nach Leibeskräften, die Nummer komplett auseinanderzunehmen. Calderazzos manieristisches Klaviersolo wirkt dabei wie eine Karikatur.
Die Band hat ihre Stärken zweifellos anderswo. Bei Thelonious Monks „Teo“ und Marsalis‘ Bebop-Verbeugung „Whiplash“ kann der junge Drummer Faulkner mit durchaus unorthodoxen Grooves punkten, und Marsalis zeigt auf ganzer Plattenlänge mal wieder, wie respektvoll und stilgenau er sich in den Jazzepochen zu bewegen weiß. Auf dem Tenor klingt er dann mal wie Lester Young („My Ideal“), auf dem Sopran wie Sidney Bechet („Treat It Gentle“). Alles in allem ist die Aufnahme jedoch ungefähr so spektakulär wie der Albumtitel: vier Typen, die ziemlich kompetent ein paar Nummern spielen.

Josef Engels, 30.06.2012


Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Das Paradies hat in Mahlers Vierten, der letzten seiner „Wunderhorn“-Sinfonien, ganz schön an Attraktivität eingebüßt. Da singt die Sopranistin, eigentlich aber ein Kind, wie das unschuldige Lämmchen und der Ochse zur Schlachtbank geführt werden – und die Musik peitscht unheilverkündend die Liedstrophen auf. Mahlers Vierte ist ein Weltendrama, das an Doppelbödigkeit wohl nicht zu überbieten ist und doch mit seinen vier überschaubaren Sätzen erst mal den Anschein von […] mehr »


Top