Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzerte Es-Dur KV 449, B-Dur KV 595, C-Dur KV 415

Daniel Isoir, La Petite Symphonie agogique


Agogique/harmonia mundi AGO 004
(76 Min., 8/2011)

Mozarts späte Klavierkonzerte nur mit solistischen Streichern besetzt, ja, zum Teil sogar ohne Bläser? Was sich nach einem typischen Kürzungsvorschlag im Kulturbereich anhört, hat in Wahrheit seine historische Berechtigung: In der Tat bot Mozart etliche seiner Wiener Klavierkonzerte mit dem Hinweis an, dass man sie nicht nur mit einem großen Orchester spielen könne, sondern auch eine Quartettbesetzung ohne Bläser wählen dürfe. Außerdem gibt es ernstzunehmende Forschungen, nach denen Klavierkonzerte in Wien im Allgemeinen mit einer kleinen, oft solistischen Orchesterbesetzung aufgeführt wurden. Auch wenn dies kaum Mozarts Ideal gewesen sein dürfte, so ist es doch erhellend, mit diesen damals breit akzeptierten Besetzungsmodellen zu experimentieren.
Das Ergebnis: Es funktioniert! Weder werden die Streicher in den Konzerten KV 449 und KV 595 von den Bläsern zugedeckt, noch hört sich KV 415, bei dem Daniel Isoir mit Mozarts Erlaubnis die Bläserstimmen wegließ, nach einem Kompromiss an. Aber eine Besetzung macht noch keine Interpretation. Ein Plus ist sicher Isoirs farbenreicher, differenziert artikulierter Vortrag und besonders der Mut zum Experimentieren mit dem Pedal, das zu Mozarts Zeit vermutlich deutlich länger als heute aufgehobenen wurde. Problematischer ist der Zusammenklang: Zwar mag ein konsequent vibratoloser Geigenton im 18. Jahrhundert seine Berechtigung haben und bei historischen Holzbläsern ein leichtes Klappern zum Handwerk gehören. Isoirs Neigung zu einem ungeschminkt geräuschhafteren, die Individualität der Instrumente betonenden Ensembleklang hat dagegen zur Folge, dass sich bisweilen doch eine Schere zu dem präzisen, feiner und harmonischer balancierten Ton des Stein-Flügels auftut.

Carsten Niemann, 30.06.2012


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