Georg Friedrich Händel

Neun deutsche Arien, Violinsonate F-Dur

Emma Kirkby, London Baroque


EMI 644938 2
(52 Min., 1/1985)

Im historisch informierten Barockgesang gab es in den 80er Jahren noch eine bemerkenswerte Geradlinigkeit ‒ manche mögen auch von „Eindimensionalität“ sprechen und dabei einen skeptischen Seitenblick auf Emma Kirkby werfen, die seinerzeit mit ihrem glasklaren, mädchenhaften, vielleicht ein wenig körperlosen, vor allem aber ungeheuer beweglichen Sopran die ästhetische Marschrichtung angab. Wir müssen indes gestehen, Händels „Neun deutsche Arien“, die Emma Kirkby 1985 mit Ingrid Seifert (Violine), Charles Medlam (Violoncello) und John Toll (Cembalo, Orgel) eingespielt hat, haben uns damals gewaltig fasziniert: So pathosfrei, zügig und schlichtweg wohlklingend hatten wir diese Stücke noch nie gehört – von den atemberaubenden Verzierungen in vielen Dacapi ganz zu schweigen! Eine wichtige, wegweisende Aufnahme, die im Kreise der mittlerweile existierenden weiteren Versionen in historisierender Lesart (u. a. von Carolyn Sampson oder Monika Mauch) nach wie vor singulär dasteht; sogar Emma Kirkbys eigene späte Zweiteinspielung (beim Label Bis) fiel trotz ähnlicher Instrumentalbesetzung noch einmal ganz anders aus. Merkwürdig: Die wegweisende Meisterleistung von 1985 war bis heute niemals auf CD erschienen. Vielleicht hat unser mehrmaliges Nachfragen bei EMI dazu beigetragen, dass Kirkbys frühes Glanzstück jetzt endlich auf einer Silberscheibe verfügbar geworden ist. Eine wahre Freude!

Michael Wersin, 07.07.2012


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