Solo – The Marcevol Concert

Renaud García-Fons


Enja/Soulfood ENJ 9581
(56 Min., 9/2011) CD+DVD

“Légendes“ hieß das Album, mit dem der französische Bassist Renaud García-Fons 1996 seinen Einstand beim Münchner Label Enja gab. Neun Aufnahmen später ist der Ausnahme-Kontrabassist mit den spanischen Wurzeln längst selbst zu einer Legende geworden – ein Status, den García-Fons mit dem Mitschnitt seines Solo-Konzerts im unweit der Pyrenäen gelegenen Kloster Marcevol noch einmal machtvoll unterstreicht.
Von mönchischer Zurückhaltung kann keine Rede sein: Der Bassist macht von seinen ihm verschwenderisch zur Verfügung stehenden Ausdrucksmitteln reichlich Gebrauch. Atemberaubend gestrichen, gezupft und beklopft verwandelt sich der Kontrabass unter García-Fons‘ Händen zu einem Universalinstrument, bei dem es keinerlei Beschränkungen zu geben scheint. Der Fünfsaiter klingt mal wie eine arabische Laute („Voyage à Jeyhounabad“), mal wie eine Flamenco-Gitarre („Bajo de Guia“), dann wieder wie ein Cello („Palermo Notturno“) und plötzlich wie eine Jimi-Hendrix-Gitarre („Kalimbass“).
Ungeachtet der atemberaubenden Virtuosität im Umgang mit Bogen und Fingerkuppen läuft García-Fons niemals Gefahr, Protagonist einer angeberischen One-Man-Show zu werden. Seine Stücke, die er mit von ihm vorher eingespielten Bass-Loops rhythmisch und harmonisch vielfältig anreichert, haben Herz, Hand und Fuß; sie reißen fingerflink und melodienselig die Grenzen zwischen Okzident und Orient, Klassik und Weltmusik nieder.
Dass García-Fons nicht nur einer der technisch komplettesten Kontrabassisten dieses Planeten, sondern auch ein uneitler Diener seiner Musik ist, zeigt die beigelegte Konzert-DVD aufs Schönste.

Josef Engels, 07.07.2012


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.



« zurück

CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der
RONDO-Redaktion

Dieser Mann ist ein Phänomen: Nicht erst seit der Film "Pianomania" Einblicke in die verfeinerte, ja zuweilen heikle Klangästhetik Pierre-Laurent Aimards gab, dessen Vorstellungen der hauseigene Klavierstimmer Stefan Knüpfer mit großer Hingabe zu folgen versuchte, ist der Franzose als Perfektionist bekannt. Und auch für seine Einspielung des "Wohltemperierten Klaviers I" von Johann Sebastian Bach dürfte wieder ordentlich am Instrument gefeilt worden sein. Das aber völlig zu recht, muss man zugeben, wenn man die ersten Töne des berühmten C-Dur-Präludiums hört: So fein und singend der Tonkörper des Flügels, so ist zugleich doch immer auch ein deutlicher, "knackiger" Druckpunkt auszumachen, der die Tongebung des Cembalos mit in den Klavierklang hineinnimmt. Dazu kommt Aimards ruhiger Duktus, der die Aufmerksamkeit des Hörers nicht mit virtuosem Schellenklingeln blendet, sondern - detailreich phrasiert - wie an der Hand durch die sauber gestaffelten Stimmverflechtungen und sanglichen Schönheiten dieses Tonarten-Kaleidoskops führt. Einfach bereichernd, dass Aimard - der sich vor allem als Interpret der Werke Messiaens und Boulez' seinen Namen gemacht hat - nun erstmals Bach aufgenommen hat.