Johann Heinrich Schmelzer

Sonate & Balletti

Freiburger BarockConsort


harmonia mundi HMC 902087
(62 Min., 5/2010)

Mit ihren Hofkapellmeistern sind die Habsburger Kaiser in der Regel sehr gut umgegangen – denn in der Regel erhoben sie die Herren in den Adelsstand. Nicht ganz so gnädig war dagegen die Nachwelt mit ihren Gunstbezeugungen. Darunter hatte auch Johann Heinrich Schmelzer (ca. 1623 - 1680), genannt „von Ehrenruef“, zu leiden. Man kennt ihn zwar als Wegbereiter der Sonate und als einflussreichen Violinvirtuosen, doch seine Beiträge zur Hofmusik, die vor allem aus Ballettmusiken für aufwändige Feste bestanden, wurden stiefmütterlich behandelt.
Das Freiburger BarockConsort hat nun unter dem Titel „Barockes Welttheater“ eine Auswahl aus Schmelzers Kammermusik mit Musiken aus den Hofballetten kombiniert. Die bieten in der Tat ein buntes Bild der Zeit: Zephire, Hirten und Nymphen treffen auf Harlekine, Dudelsackspieler und lärmende Soldaten und sogar das Totenglöckchen wird mit wienerischer Lust am Morbiden geläutet. Das in Kammerbesetzung aufspielende Barockconsort setzt dies alles plastisch, lebendig, äußerst präzise und mit lustvollem Einsatz eines reichen Perkussionsarsenals in Szene. Um wirklich Welttheater zu sein, fehlt den Balletten dann aber doch die Tiefe – jedenfalls ordnen sie sich der Bühne stärker unter, als es später etwa bei einem Lully in Versailles der Fall sein wird. Es sind darum letztlich doch wieder die Kammermusikwerke (unter ihnen eine pikante Sonate für zwei umgestimmte Violinen solo sowie die mit langem sinnlichem Atem dargebotene Variationsfolge über „La bella pastora“ oder die feinsinnige „Sonata amabilis“), welche vom musikalischen Adel Schmelzers künden.

Carsten Niemann, 14.07.2012


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.



« zurück

CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der
RONDO-Redaktion

Zu den zahlreichen Widersprüchen im Leben von Richard Strauss gehört auch, dass er zwar ein gutbürgerliches Dasein mit Plüschsofa und Sonntagsbraten zu schätzen wusste, aus seiner Abneigung des Bürgertums und der Religion - zumindest im Konzertsaal - keinen Hehl machte. Ein Jahr, nachdem er den Philistern mit seinem Satyrspiel vom "Till Eulenspiegel" eine lange Nase gedreht hatte, ließ der 32jährige sein Opus 30 "Also sprach Zarathustra" in Frankfurt uraufführen. Der berühmteste Sonnenaufgang der (Film-)Musikgeschichte ist schließlich nur der Vorhang zur aufwändig und kulinarisch instrumentierten Tondichtung über Fall und Aufstieg des Philosophen (in dem sich dessen Autor Friedrich Nietzsche zu einem guten Teil selbst porträtierte). Der eingängige Dreiklang des Beginns durchzieht als Tonchiffre der Natur das ganze Werk wie eine Mahnung, an der sich der Erleuchtete abzuarbeiten hat. Den trieb die Sehnsucht unter die stumpfe Herde seiner Mitmenschen, die - mit Straussschem Tonwitz persifliert - völlig der Religion und der trockenen Wissenschaft hörig sind. Genesung bringt dem Enttäuschten das göttliche Vergnügen des Tanzes (bei Strauss ein schwungvoller Walzer), bevor zum guten Schluss der menschliche Geist Zarathustras in überirdisch leuchtendem H-Dur-Akkord seinen Frieden findet. Das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg kombiniert unter seinem Chef François-Xavier Roth in der neusten Folge aller Strauss'schen Tondichtungen nun den "Zarathustra" mit dem Poem "Aus Italien" und besticht durch straffe Tempi und einen warmen, seidigen Orchesterklang, der - von der Tontechnik tiefenscharf eingefangen - die unzähligen Klangvaleurs Straussscher Instrumentation zum Leuchten bringt.