Responsive image
Johann Joseph Fux

Kaiserrequiem

Musica Fiata, Roland Wilson, La Capella Ducale

Deutsche harmonia mundi/Sony 88697 959972
(72 Min., 12/2009)

Das Kaiserrequiem vom Wiener Hofkomponisten Johann Joseph Fux (1660-1741), komponiert anlässlich der Trauerfeierlichkeiten für die Kaiserinwitwe Eleonora im Jahre 1720, ist ein bedeutendes Werk der Musikgeschichte: Fux begeistert mit seiner differenzierten musikalischen Beleuchtung des Textes. Nicht nur die Posaune, die in der Sequenz vor dem „Tuba mirum“ zu hören ist (eines der frühesten Beispiele der Musikgeschichte für diese später gängige Instrumentalsymbolik), sondern zahllose weitere Details wie das „Zittern“ der Geigen bei „Quantus tremor est futurus“ oder die flehentliche Seufzermotivik im „Recordare“ zeugen von Fux‘ musikalisch-rhetorischem Einfallsreichtum.
Erstaunlich daher, dass das Werk bisher so selten eingespielt wurde: Der Autor fand nur eine schon 1991 in Wien festgehaltene Version von René Clemencic in seinem Plattenschrank. Vergleichende Hörproben zeigten allerdings schnell, dass die ältere Produktion durch die vorliegende Neuaufnahme keineswegs an Bedeutung verloren hat: Vor allem im vokalen Bereich will sich in Wilsons Einspielung streckenweise kein wirklich dichter, homogener und intonationsreiner Ensembleklang einstellen, wie er doch vor dem Hintergrund der „Stylus-mixtus“-Anlage der Partitur mit ihren polyphonen chorischen Passagen äußerst wichtig wäre. In der Sequenz zeigt sich dann, dass die vokalen und instrumentalen Kräfte auch beim solistischen Einsatz nicht immer völlig überzeugend zu agieren vermögen. Manches davon ist Clemencic vor 20 Jahren tatsächlich besser gelungen; schwer zu sagen, woran das liegt, denn in Wilsons Besetzungsliste finden sich eine Menge prominenter Namen. Das letzte interpretatorische Wort zum „Kaiserrequiem“ ist also mit dieser Aufnahme sicherlich noch nicht gesprochen.

Michael Wersin, 14.07.2012



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top