„Schöner Klang“ ‒ so lautet übersetzt der griechische Begriff, von dem sich der Name des Euphoniums herleitet. Trotzdem hat sich das 1843 von Adolphe Sax erfundene Instrument, das äußerlich an eine kleine Tuba erinnert, noch längst nicht in die Herzen des breiten Publikums gespielt. Sein Haupteinsatzgebiet sind Militärkapellen, in denen es wegen seiner sanglichen Tenorlage auch liebevoll „Infanterie-Cello“ genannt wird. Berufsaussichten für Spieler, die sich als Euphonium-Virtuosen hervortun wollen, sind daher nicht die besten.
Kein Grund, den 1988 geborenen Bastien Baumet zu überhören, der mit seiner Debüt-CD zur einer neuen Charme-Offensive für sein Instrument ansetzt. Obwohl der traditionelle Brassband-Sound in den meisten der ausgewählten zeitgenössischen Stücken durchscheint, bemüht sich Baumet doch erfolgreich um eine breite Stilvielfalt: Sie reicht von den spanischen Anklängen in Vladimir Cosmas effektvollem Euphoniumkonzert bis hin zu Daniel D'Adamos atonalem Dialog „Pholia“ für Euphonium und Saxhorn. Baumet lässt den sehr weichen, zwischen Waldhorn, Posaune und Tuba changierenden Ton seines Instrumentes singen, weiß ihn aber auch mit begeisternd leichtfingrigem Ventilspiel in rasante Läufe übergehen zu lassen. Herz der CD ist Philip Sparkes „Two Part Invention“ für zwei Solo Euphonisten, das Beaumet und sein legendärer Mentor Steven Mead mit einer ganz eigenartigen Mischung aus Virtuosität und Wehmut spielen, die Assoziationen an ein Liebesduett zwischen zwei artistischen Zirkusclowns hervorrufen mag.

Carsten Niemann, 21.07.2012


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Zu den zahlreichen Widersprüchen im Leben von Richard Strauss gehört auch, dass er zwar ein gutbürgerliches Dasein mit Plüschsofa und Sonntagsbraten zu schätzen wusste, aus seiner Abneigung des Bürgertums und der Religion - zumindest im Konzertsaal - keinen Hehl machte. Ein Jahr, nachdem er den Philistern mit seinem Satyrspiel vom "Till Eulenspiegel" eine lange Nase gedreht hatte, ließ der 32jährige sein Opus 30 "Also sprach Zarathustra" in Frankfurt uraufführen. Der berühmteste Sonnenaufgang der (Film-)Musikgeschichte ist schließlich nur der Vorhang zur aufwändig und kulinarisch instrumentierten Tondichtung über Fall und Aufstieg des Philosophen (in dem sich dessen Autor Friedrich Nietzsche zu einem guten Teil selbst porträtierte). Der eingängige Dreiklang des Beginns durchzieht als Tonchiffre der Natur das ganze Werk wie eine Mahnung, an der sich der Erleuchtete abzuarbeiten hat. Den trieb die Sehnsucht unter die stumpfe Herde seiner Mitmenschen, die - mit Straussschem Tonwitz persifliert - völlig der Religion und der trockenen Wissenschaft hörig sind. Genesung bringt dem Enttäuschten das göttliche Vergnügen des Tanzes (bei Strauss ein schwungvoller Walzer), bevor zum guten Schluss der menschliche Geist Zarathustras in überirdisch leuchtendem H-Dur-Akkord seinen Frieden findet. Das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg kombiniert unter seinem Chef François-Xavier Roth in der neusten Folge aller Strauss'schen Tondichtungen nun den "Zarathustra" mit dem Poem "Aus Italien" und besticht durch straffe Tempi und einen warmen, seidigen Orchesterklang, der - von der Tontechnik tiefenscharf eingefangen - die unzähligen Klangvaleurs Straussscher Instrumentation zum Leuchten bringt.