„Schöner Klang“ ‒ so lautet übersetzt der griechische Begriff, von dem sich der Name des Euphoniums herleitet. Trotzdem hat sich das 1843 von Adolphe Sax erfundene Instrument, das äußerlich an eine kleine Tuba erinnert, noch längst nicht in die Herzen des breiten Publikums gespielt. Sein Haupteinsatzgebiet sind Militärkapellen, in denen es wegen seiner sanglichen Tenorlage auch liebevoll „Infanterie-Cello“ genannt wird. Berufsaussichten für Spieler, die sich als Euphonium-Virtuosen hervortun wollen, sind daher nicht die besten.
Kein Grund, den 1988 geborenen Bastien Baumet zu überhören, der mit seiner Debüt-CD zur einer neuen Charme-Offensive für sein Instrument ansetzt. Obwohl der traditionelle Brassband-Sound in den meisten der ausgewählten zeitgenössischen Stücken durchscheint, bemüht sich Baumet doch erfolgreich um eine breite Stilvielfalt: Sie reicht von den spanischen Anklängen in Vladimir Cosmas effektvollem Euphoniumkonzert bis hin zu Daniel D'Adamos atonalem Dialog „Pholia“ für Euphonium und Saxhorn. Baumet lässt den sehr weichen, zwischen Waldhorn, Posaune und Tuba changierenden Ton seines Instrumentes singen, weiß ihn aber auch mit begeisternd leichtfingrigem Ventilspiel in rasante Läufe übergehen zu lassen. Herz der CD ist Philip Sparkes „Two Part Invention“ für zwei Solo Euphonisten, das Beaumet und sein legendärer Mentor Steven Mead mit einer ganz eigenartigen Mischung aus Virtuosität und Wehmut spielen, die Assoziationen an ein Liebesduett zwischen zwei artistischen Zirkusclowns hervorrufen mag.

Carsten Niemann, 21.07.2012


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Torquato Tassos Kreuzfahrerepos "Gerusalemme liberata" war im Italien des 18. Jahrhunderts so beliebt, wie den Deutschen ihre Ritter- und Heldensagen im 19. Jahrhundert. Die Gondolieri in Venedig konnten ganze Passagen auswendig rezitieren, berichtet Casanova, und auch in Rom, wo Tasso seine letzten Lebensjahre verbracht hatte, kannte man die Figuren des Epos gut, darunter vor allem den hehren Kreuzritter Rinaldo und seine Gegenspielerin, die Zauberin Armida. Georg Friedrich Händel, als blutjunger Tausendsassa nach Rom gekommen, saugte den italienischen Stil ein wie Muttermilch und verschaffte sich mit den musikdramatischen Juwelen seiner frühen Kantaten schnell die Hochachtung des römischen Adels. 1707 wurde auf einem Jagdausflug seine "Armida abbandonata" aufgeführt, die in drei Arien und zwei Accompagnati vollendet das Porträt der soeben von Rinaldo verlassenen Zauberin und ihre Seelenstürme porträtiert. Und diese Leidenschaften hat sich auch das Berner Ensemble "Les Passions de l'ame" unter Meret Lüthi zum Namensgeber erwählt. In ihrer neuen Aufnahme betten sie Händels Kantate geschickt als Epizentrum in Francesco Geminianis Ballettmusik "La Foresta incantata" (Der Zauberwald) ein, die dieser dem Epos Torquato Tassos fünfzig Jahre später abgelauscht hatte.