„Schöner Klang“ ‒ so lautet übersetzt der griechische Begriff, von dem sich der Name des Euphoniums herleitet. Trotzdem hat sich das 1843 von Adolphe Sax erfundene Instrument, das äußerlich an eine kleine Tuba erinnert, noch längst nicht in die Herzen des breiten Publikums gespielt. Sein Haupteinsatzgebiet sind Militärkapellen, in denen es wegen seiner sanglichen Tenorlage auch liebevoll „Infanterie-Cello“ genannt wird. Berufsaussichten für Spieler, die sich als Euphonium-Virtuosen hervortun wollen, sind daher nicht die besten.
Kein Grund, den 1988 geborenen Bastien Baumet zu überhören, der mit seiner Debüt-CD zur einer neuen Charme-Offensive für sein Instrument ansetzt. Obwohl der traditionelle Brassband-Sound in den meisten der ausgewählten zeitgenössischen Stücken durchscheint, bemüht sich Baumet doch erfolgreich um eine breite Stilvielfalt: Sie reicht von den spanischen Anklängen in Vladimir Cosmas effektvollem Euphoniumkonzert bis hin zu Daniel D'Adamos atonalem Dialog „Pholia“ für Euphonium und Saxhorn. Baumet lässt den sehr weichen, zwischen Waldhorn, Posaune und Tuba changierenden Ton seines Instrumentes singen, weiß ihn aber auch mit begeisternd leichtfingrigem Ventilspiel in rasante Läufe übergehen zu lassen. Herz der CD ist Philip Sparkes „Two Part Invention“ für zwei Solo Euphonisten, das Beaumet und sein legendärer Mentor Steven Mead mit einer ganz eigenartigen Mischung aus Virtuosität und Wehmut spielen, die Assoziationen an ein Liebesduett zwischen zwei artistischen Zirkusclowns hervorrufen mag.

Carsten Niemann, 21.07.2012


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.



« zurück

CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der
RONDO-Redaktion

Des Menschen Herz sehnt sich einfach nach melodramatischen Sujets: Was die Biografik im Jahrhundert nach Wolfgang Amadeus Mozarts Tod an süßlichen Anekdoten über seine angeblich so bitteren Wiener Jahre als verkanntes, verarmtes Genie gesponnen hat, klebt noch immer wie Zuckerwatte vor der Linse unvoreingenommener Werkbetrachtung. Der Musikforscher Christoph Wolff hat hingegen kürzlich in einem Buch untermauert, dass das Lebensgefühl des Salzburgers in der Hauptstadt wahrscheinlich viel aufstrebender war. "Vor den Pforten meines Glückes" wähnte sich Mozart, angekommen in Wien, angestellt am Kaiserhof, und - wie Wolff nachweist - bemüht, in seiner Musik einen imperialen Stil zu etablieren. Kompositorisch selbstbestimmt klingt auch die These, die Nikolaus Harnoncourt mit seinem Concentus Musicus nun vertritt: Die drei letzten, ohne Kompositionsauftrag in nur gut zwei Monaten hintereinander weg komponierten Sinfonien sind nicht etwa das Röcheln eines Genies, das mit sterbender Hand nach dem Himmel reicht, sondern ein ehrgeiziges Projekt - ein Instrumental-Oratorium. Die Motivbezüge und enge Verwandtschaft hat schon Peter Gülke nachgewiesen, nun erklärt Harnoncourt die drei Werke zu einer in sich geschlossenen, dreiteiligen Handlung für Musik, eine freimaurerisch inspirierte Initiation. Was konkret er selbst dem Werk an melodramatischen Sujets dabei ablauscht, will er aber nicht verraten, denn "die Musik Mozarts ist Sprache und spricht für sich."