Johann Sebastian Bach

Italienisches Konzert, Französische Suiten I-III, Aria variata alla maniera italiana BWV 989

Lorenzo Ghielmi


passacaille/Note 1 PAS984
(71 Min., 10 & 11/2011)

Eleganz, agogisches feinsinniges Spiel mit der verflochtenen Melodik, artikulatorisch differenzierter Umgang mit den polyphonen Strukturen, die auch in Bachs Suiten-Sätzen allenthalben aufscheinen: Lorenzo Ghielmi präsentiert sich einmal mehr in Bestform. Zwei verschiedene Cembali verwendete er für diese CD, um die französisch inspirierten Suiten einerseits und die der „maniera italiana“ folgenden Werke andererseits auch klanglich zu differenzieren: Runder, süffiger und wärmer ist der Klang des amerikanischen Nachbaus eines anonymen deutschen Instruments aus dem 18. Jahrhundert, das bei den Suiten erklingt; spitzer und silbriger tönt der mailändische Nachbau eines Christian-Vater-Cembalos von 1738, das für die italienisch beeinflussten Werke traktiert wird.
Ghielmis Spiel wird nicht allein durch die oben beschriebenen Tugenden verlebendigt; hinzu kommt seine Sensibilität für geschmackvoll angebrachte Verzierungen: Nicht so exzessiv üppig wie Ton Koopman setzt er die Manieren, aber auch nicht so spartanisch wie Trevor Pinnock. Wenn man Barockmusik, so wie es Harnoncourt durch seine Buchveröffentlichungen angeregt hat, generell als „Klangrede“ betrachten darf, dann ist es im Falle von Ghielmi ein durchaus gesprächiger, ja ein engagierter, aber niemals ein geschwätziger „nobleman“, der sich am Instrument kompetent zu Wort meldet.

Michael Wersin, 04.08.2012


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.



« zurück

CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der
RONDO-Redaktion

Wirklich nur "Melancholie des Unvermögens"? Dem giftgezähnten Kanzelspruch Friedrich Nietzsches über Johannes Brahms mag man sich nicht mehr anschließen, wenn man von der vollmundigen Reife seines Chorwerks auch nur gekostet hat. Unvermögen nein, Melancholie: aber ja! Sein Schaffen im letzten Lebensdrittel ist bei Rücknahme der technischen Mittel zugleich von bittersüßer Wehmut und teilweise auch recht herben Tönen des Verzichts getragen. Diese Klangfarben machen auch die Auswahl an späten Chorwerken, die die Capella Amsterdam unter Daniel Reuss nun aufgenommen haben - blitzblank intoniert, warm im Klang und im Verhältnis der Stimmlagen hervorragend abgeschmeckt - zu einer schönen CD-Empfehlung zum Totensonntag. Der geistliche […] mehr »