Diverse

Dramma (Arien von Porpora, Hasse u.a.)

Simone Kermes, La Magnifica Comunità


Sony 88691 963952
(77 Min., 1/2012)

Die Frau ist ein Phänomen: Sie wird von CD zu CD immer noch besser. Simone Kermes' neues Album "Dramma" ist zweifellos die Krönung ihres bisherigen Tonträger-Outputs. Und damit könnte ich eigentlich schon schließen und Sie auf die Rezension von Kermes' letztem Album "Colori d'amore" in RONDO I/2011 verweisen. Alles dort Gesagte trifft unverändert auch hier zu. Ihre virtuosen Hexenkünste haben nach wie vor nicht Ihresgleichen. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie durch schier endlose Koloraturketten in Extremhöhen aufsteigt (und dort auch noch ihre perfekte Messa di voce demonstriert – und zwar bei einer 440 Hz-Stimmung!), trifft einen mittlerweile zwar nicht mehr unvorbereitet, mindert die Wirkung ihrer Kunst deshalb aber nicht im Geringsten. Hinzu kommt, dass ihr die Innigkeit der ruhigeren Arien immer noch berührender gerät. Und so befindet man sich auf "Dramma" in einem ständigen Wechselbad der Gefühle, möchte nach einer der halsbrecherischen Nummern gleich die nächste hören, ist dann aber von dem folgenden lyrischen Stück so angetan, dass man gar nicht mehr weiß, was man denn nun schöner finden soll. Die Arie "Consola il genitor" aus Hasses Oper "L'olimpiade" beispielsweise wird nur von einem Cembalo begleitet, gibt sich ganz schlicht und unspektakulär, doch die einschmeichelnde Melodielinie hat es böse in sich, steigt – ohne orchestrales Netz für die Sängerin – in langsamen Triolen immer wieder bis zum dreigestrichenen c auf. Was unsere Barockkönigin aber natürlich nicht ins Schwitzen bringt. So wie es aussieht (und sich vor allem anhört) steht ihr Thron noch für viele Jahre unverrückbar fest.

Michael Blümke, 18.08.2012


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Torquato Tassos Kreuzfahrerepos "Gerusalemme liberata" war im Italien des 18. Jahrhunderts so beliebt, wie den Deutschen ihre Ritter- und Heldensagen im 19. Jahrhundert. Die Gondolieri in Venedig konnten ganze Passagen auswendig rezitieren, berichtet Casanova, und auch in Rom, wo Tasso seine letzten Lebensjahre verbracht hatte, kannte man die Figuren des Epos gut, darunter vor allem den hehren Kreuzritter Rinaldo und seine Gegenspielerin, die Zauberin Armida. Georg Friedrich Händel, als blutjunger Tausendsassa nach Rom gekommen, saugte den italienischen Stil ein wie Muttermilch und verschaffte sich mit den musikdramatischen Juwelen seiner frühen Kantaten schnell die Hochachtung des römischen Adels. 1707 wurde auf einem Jagdausflug seine "Armida abbandonata" aufgeführt, die in drei Arien und zwei Accompagnati vollendet das Porträt der soeben von Rinaldo verlassenen Zauberin und ihre Seelenstürme porträtiert. Und diese Leidenschaften hat sich auch das Berner Ensemble "Les Passions de l'ame" unter Meret Lüthi zum Namensgeber erwählt. In ihrer neuen Aufnahme betten sie Händels Kantate geschickt als Epizentrum in Francesco Geminianis Ballettmusik "La Foresta incantata" (Der Zauberwald) ein, die dieser dem Epos Torquato Tassos fünfzig Jahre später abgelauscht hatte.