Im Vorfeld dieser Neuerscheinung hat die Deutsche Grammophon zwei Ankündigungen veröffentlicht. Über die erste – dass man mit Yannick Nézet-Séguin am Pult alle sieben großen Mozart-Opern einspielen möchte – freut man sich nach dem Genuss dieser Aufnahme. Die zweite – Rolando Villazón soll dabei stets mit von der (Tenor-)Partie sein – kann man nur mit heftigem Kopfschütteln quittieren. Der Mexikaner ist der einzige wirkliche Schwachpunkt dieses hochkarätigen Ensembles, er hat für Don Ottavio genau eine Farbe und einen Ausdruck. Die Stimme ist mittlerweile völlig matt und glanzlos, tut den Ohren aber zumindest keine Gewalt an, weshalb es in der Bewertung trotzdem noch zu fünf Punkten reicht.
Ansonsten ist dieser "Don Giovanni" eine rundum erfreuliche Angelegenheit: die richtigen Sänger für die richtigen Partien, alle mit Lust und Leidenschaft bei der Sache – die Rezitative lebendig, die Arien saftig. Ildebrando D'Arcangelo liefert einen kernig-virilen Titelhelden, der sich klanglich gut von seinem heller timbrierten Diener Leporello (Luca Pisaroni) absetzt. Und bei den Damen kommt man aus dem Jubeln ohnehin nicht mehr heraus. Diana Damrau bringt für die Donna Anna diese hinreißende Mischung aus virtuoser Trittfestigkeit und dramatischem Biss mit, der auch schon ihre Konstanze zum Erlebnis werden ließ. Als Elvira gelingt Joyce DiDonato mit der ihr eigenen Hingabe (und ihrer Ausnahmestimme natürlich) ein weiteres Rollenporträt der Extraklasse. Und mit der Zerlina von Mojca Erdmann bekommen die Vokalwonnen auch noch ein Sahnehäubchen.

Michael Blümke, 18.08.2012


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Wenn eines der Wesensmerkmale der Wiener Klassik darin liegt - wie Ludwig Finscher einmal scharfsinnig bemerkte - dass hier bedeutende Komponisten in einen anspornenden Dialog miteinander gekommen sind, dann kann man Mozarts "Haydn-Quartette" als die Visitenkarte dieser Epoche bezeichnen. Gab der Salzburger doch im Vorwort zu, sie seien die Frucht einer "langen und mühevollen Arbeit". Zu der zwang ihn der Respekt vor Haydns Quartetten op. 33, doch mühevoll klingt in diesen ausgewogenen Werken gar nichts, die sogar die gelehrte Fugensatzart so selbstverständlich einflechten wie das vielstimmige Zwitschern der Wiener Spatzen ins Frühlingsblau. Haydn zollte wiederum Mozarts Quartetten seine Hochachtung, als er zu dessen Vater nach einer Aufführung anerkennend bemerkte, sein Sohn sei der größte, ihm bekannte Komponist. Das Cuarteto Casals hat sich drei Quartetten dieser Sammlung (KV 387, KV 428, KV 465) angenommen und - wieder einmal - eine mustergültige Einspielung gelandet: Warm und berührend im Klang, ist der Quartettsatz unter ihren Händen plastisch gestaltet bis in die Nebenstimmen hinein. Die Musiker führen den Hörer begeistert durch die Details und Schönheiten der Musik, ohne sie dabei effekthascherisch zum Vehikel einer aufgepfropften Neudeutung zu degradieren. Und die schönste Nachricht: Während die CD mit 88 Minuten randvoll gepackt ist, können Hörer der Streaming-Version im Genuss voll wiederholter Sätze ganze 8 Minuten länger schwelgen.