Im Vorfeld dieser Neuerscheinung hat die Deutsche Grammophon zwei Ankündigungen veröffentlicht. Über die erste – dass man mit Yannick Nézet-Séguin am Pult alle sieben großen Mozart-Opern einspielen möchte – freut man sich nach dem Genuss dieser Aufnahme. Die zweite – Rolando Villazón soll dabei stets mit von der (Tenor-)Partie sein – kann man nur mit heftigem Kopfschütteln quittieren. Der Mexikaner ist der einzige wirkliche Schwachpunkt dieses hochkarätigen Ensembles, er hat für Don Ottavio genau eine Farbe und einen Ausdruck. Die Stimme ist mittlerweile völlig matt und glanzlos, tut den Ohren aber zumindest keine Gewalt an, weshalb es in der Bewertung trotzdem noch zu fünf Punkten reicht.
Ansonsten ist dieser "Don Giovanni" eine rundum erfreuliche Angelegenheit: die richtigen Sänger für die richtigen Partien, alle mit Lust und Leidenschaft bei der Sache – die Rezitative lebendig, die Arien saftig. Ildebrando D'Arcangelo liefert einen kernig-virilen Titelhelden, der sich klanglich gut von seinem heller timbrierten Diener Leporello (Luca Pisaroni) absetzt. Und bei den Damen kommt man aus dem Jubeln ohnehin nicht mehr heraus. Diana Damrau bringt für die Donna Anna diese hinreißende Mischung aus virtuoser Trittfestigkeit und dramatischem Biss mit, der auch schon ihre Konstanze zum Erlebnis werden ließ. Als Elvira gelingt Joyce DiDonato mit der ihr eigenen Hingabe (und ihrer Ausnahmestimme natürlich) ein weiteres Rollenporträt der Extraklasse. Und mit der Zerlina von Mojca Erdmann bekommen die Vokalwonnen auch noch ein Sahnehäubchen.

Michael Blümke, 18.08.2012


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Zu den zahlreichen Widersprüchen im Leben von Richard Strauss gehört auch, dass er zwar ein gutbürgerliches Dasein mit Plüschsofa und Sonntagsbraten zu schätzen wusste, aus seiner Abneigung des Bürgertums und der Religion - zumindest im Konzertsaal - keinen Hehl machte. Ein Jahr, nachdem er den Philistern mit seinem Satyrspiel vom "Till Eulenspiegel" eine lange Nase gedreht hatte, ließ der 32jährige sein Opus 30 "Also sprach Zarathustra" in Frankfurt uraufführen. Der berühmteste Sonnenaufgang der (Film-)Musikgeschichte ist schließlich nur der Vorhang zur aufwändig und kulinarisch instrumentierten Tondichtung über Fall und Aufstieg des Philosophen (in dem sich dessen Autor Friedrich Nietzsche zu einem guten Teil selbst porträtierte). Der eingängige Dreiklang des Beginns durchzieht als Tonchiffre der Natur das ganze Werk wie eine Mahnung, an der sich der Erleuchtete abzuarbeiten hat. Den trieb die Sehnsucht unter die stumpfe Herde seiner Mitmenschen, die - mit Straussschem Tonwitz persifliert - völlig der Religion und der trockenen Wissenschaft hörig sind. Genesung bringt dem Enttäuschten das göttliche Vergnügen des Tanzes (bei Strauss ein schwungvoller Walzer), bevor zum guten Schluss der menschliche Geist Zarathustras in überirdisch leuchtendem H-Dur-Akkord seinen Frieden findet. Das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg kombiniert unter seinem Chef François-Xavier Roth in der neusten Folge aller Strauss'schen Tondichtungen nun den "Zarathustra" mit dem Poem "Aus Italien" und besticht durch straffe Tempi und einen warmen, seidigen Orchesterklang, der - von der Tontechnik tiefenscharf eingefangen - die unzähligen Klangvaleurs Straussscher Instrumentation zum Leuchten bringt.