Im Vorfeld dieser Neuerscheinung hat die Deutsche Grammophon zwei Ankündigungen veröffentlicht. Über die erste – dass man mit Yannick Nézet-Séguin am Pult alle sieben großen Mozart-Opern einspielen möchte – freut man sich nach dem Genuss dieser Aufnahme. Die zweite – Rolando Villazón soll dabei stets mit von der (Tenor-)Partie sein – kann man nur mit heftigem Kopfschütteln quittieren. Der Mexikaner ist der einzige wirkliche Schwachpunkt dieses hochkarätigen Ensembles, er hat für Don Ottavio genau eine Farbe und einen Ausdruck. Die Stimme ist mittlerweile völlig matt und glanzlos, tut den Ohren aber zumindest keine Gewalt an, weshalb es in der Bewertung trotzdem noch zu fünf Punkten reicht.
Ansonsten ist dieser "Don Giovanni" eine rundum erfreuliche Angelegenheit: die richtigen Sänger für die richtigen Partien, alle mit Lust und Leidenschaft bei der Sache – die Rezitative lebendig, die Arien saftig. Ildebrando D'Arcangelo liefert einen kernig-virilen Titelhelden, der sich klanglich gut von seinem heller timbrierten Diener Leporello (Luca Pisaroni) absetzt. Und bei den Damen kommt man aus dem Jubeln ohnehin nicht mehr heraus. Diana Damrau bringt für die Donna Anna diese hinreißende Mischung aus virtuoser Trittfestigkeit und dramatischem Biss mit, der auch schon ihre Konstanze zum Erlebnis werden ließ. Als Elvira gelingt Joyce DiDonato mit der ihr eigenen Hingabe (und ihrer Ausnahmestimme natürlich) ein weiteres Rollenporträt der Extraklasse. Und mit der Zerlina von Mojca Erdmann bekommen die Vokalwonnen auch noch ein Sahnehäubchen.

Michael Blümke, 18.08.2012


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Ein Schuss setzt die Welt in Brand: Vor einhundert Jahren, am 28. Juli 1914, erklärte das Kaiserreich Österreich-Ungarn Serbien den Krieg - der Auftakt zur Mobilmachung in ganz Europa. Wie unwahrscheinlich ein Kriegsausbruch nach dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger eigentlich war, und wie viele persönliche Macht- und Fehlentscheidungen von höchster, aber auch ministerialer Ebene dazu nötig waren, hat gerade der Historiker Christopher Clark in seinem Buch neu aufgearbeitet. Von ganz anderer, nämlich musikalischer Seite nähert sich die Sopranistin Anna Prohaska dem Thema. Ihr neues Album reflektiert das Datum, das das "Jahrhundert der Kriege" einläutete, mit einem weit gesteckten Repertoire, das über Sarajevo und Verdun hinausweist. Von Soldatenliedern des Dreißigjährigen Krieges bis zu Propagandagesängen, vom "Trommellied" aus Beethovens "Egmont", über Schumanns "Grenadiere", bis hin zu Liedern von Liszt, Fauré, Mahler, Ives, Weil und Eisler reichen die Zeugnisse, die Prohaska an der Seite ihres Pianisten Eric Schneider dafür aufruft. Aus flackernder Begeisterung und auswegloser Verzweiflung entsteht hier das musikalische Porträt einer Ausnahmesituation - die bis heute alltäglich geblieben ist.