Unity Band

Pat Metheny


Nonesuch/Warner 7559796150
(66 Min.)

Bach klingt immer nach Bach, Mozart nach Mozart und Pat Metheny nach Pat Metheny (wenn man von den Alben „Zero Tolerance For Silence“ und der mit Derek Bailey eingespielten 3er-Box „The Sign Of 4” absieht). Schon die ersten, scharf angerissenen Töne auf der akustischen Gitarre genügen zur Identifikation, und wenn dann noch der Saxofonist Chris Potter eine strahlende Melodie einfügt sowie Ben Williams am Kontrabass und der Schlagzeuger Antonio Sanchez federnde Rhythmen unterlegen, fühlt man sich im Titel „New Year“ so wohl wie bei all den schönen Alben, die Metheny produziert hat.
Und doch gibt es einen Unterschied: In seinen eigenen Bands hatte Metheny seit dem Album „80/82“ keinen Saxofonisten mehr als gleich berechtigten Solisten neben sich – wenn er mit Saxofonisten arbeitete, dann als Sideman in deren Band. Für den Tenorsaxofonisten und Bassklarinettisten Chris Potter tritt er nun sogar häufig in den Hintergrund und begleitet diesen lediglich. Dies verstärkt das Jazzfeeling der gesamten Produktion. Wie gewohnt ist hingegen, dass sich alle neun Stücke durch weit und elegant schwingende Melodien auszeichnen – gleichgültig, ob Metheny seine 42saitige Gitarre oder sein Orchestrion einsetzt, ob er viel oder wenig Elektronik verwendet. Durch manche seiner Themen schimmern Country-Einflüsse – kein Wunder bei einem Mann, der in Missouri und damit in einem Staat aufgewachsen ist, der einst Durchgangsland der Siedler auf dem Weg in den Westen war. Auf der Homepage seiner Stiftung (www.methenymusicfoundation.org) hebt er mittlerweile diese Wurzeln hervor, und die ursprüngliche „Unity Band“ war die Band der Unity Church, in der Methenys Vater und Bruder sowie Pat mitwirkten. So knüpft er einerseits an die eigene Biografie an und anderseits an das Album „80/81“ mit den Saxofonisten Dewey Redman und Michael Brecker – nach mehr als dreißig Jahren reifer und vielschichtiger.

Werner Stiefele, 25.08.2012


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.



« zurück

CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der
RONDO-Redaktion

Die Trompete, seit alters her das Insignum herrscherlicher Macht, darf am Ostertag nicht fehlen, wenn es gilt, die Auferstehung und den Triumph Christi über den Tod zu feiern. Der böhmische Violinist Heinrich Ignaz Franz Biber machte, nachdem er seinem ersten Dienstherren, dem Bischof von Olmütz ausgebüchst war, eine glänzende Karriere am Hof des Salzburger Erzbischofs Max Gandolf von Kuenburg. Die Salzburger Erzbischöfe verstanden seit jeher sehr gut, die prachtvolle Lobpreisung der Majestät Christi zugleich etwas unscharf auf die eigene Selbstdarstellung abzuzweigen. Aus dem Jahr 1674 stammt Bibers 22-stimmige Missa "Christi resurgentis" zur Feier des Osterfestes, die diesem Auftrag bestens gehorcht. Andrew Manze und The English Concert ergänzen auf dieser Aufnahme von 2005 die lichtdurchflutete Messkomposition mit schwungvollen Kammersonaten Bibers aus der Sammlung "Fidicinium Sacro-profanum". Wir wünschen Frohe Ostern!