William’s Garden

Sonja Huber


Double Moon/SunnyMoon DMCHR 71109
(54 Min., 5/2011)

Sie ist knapp 30 Jahre alt, hat einen deutschen und einen eidgenössischen Pass und gehört zu den ganz wenigen Frauen unter der ohnehin überschaubaren Schar der Vibrafon spielenden Menschen. Jetzt hat es Sonja Huber mit ihrem schweizerischen Quartett in die renommierte „Next Generation“-Reihe von Jazz Thing geschafft. Dabei kommt die Musik der vier ganz ohne vordergründige, sich zeitgeistig abgedreht gebende Elemente aus. Sie ist vielmehr fest in der kleinen, aber feinen Tradition des modernen Vibrafon-Quartetts mit Gitarre, Bass und Schlagzeug verankert. Mit der Betonung der melodisch beseelten Linienführung und dem charmanten Flirt mit poppiger Leichtigkeit verweist der Klang des Huber-Ensembles eher auf das legendäre Dave Pike Set denn auf das Gary Burton Quartet. Doch während Pike mit seiner Zweischlegeltechnik dem souligen Klangideal eines Milt Jackson verbunden war, ist bei Sonja Huber der Einfluss ihres Lehrers Dave Friedman unüberhörbar. Der hat zwar Gary Burton und seine Vierschlegeltechnik studiert, doch dabei einen direkteren, weniger filigran spieldosenhaften Stil entwickelt. Auch seine Schülerin pflegt einen voluminösen, verzierungsarmen Klang, der die klare Linearität des Diskurses betont. Alle zehn Kompositionen des Albums stammen von ihr und sind ihren Partnern – allen voran dem von Wolfgang Muthspiel ausgebildeten Gitarristen Matthias Siegrist – auf den Leib geschrieben. Mit rhythmischer Finesse macht das Ensemble eine relaxte melodie- und harmonieverliebte Musik, augenzwinkernde Sophistication inbegriffen.

Thomas Fitterling, 25.08.2012


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Dieser Mann ist ein Phänomen: Nicht erst seit der Film "Pianomania" Einblicke in die verfeinerte, ja zuweilen heikle Klangästhetik Pierre-Laurent Aimards gab, dessen Vorstellungen der hauseigene Klavierstimmer Stefan Knüpfer mit großer Hingabe zu folgen versuchte, ist der Franzose als Perfektionist bekannt. Und auch für seine Einspielung des "Wohltemperierten Klaviers I" von Johann Sebastian Bach dürfte wieder ordentlich am Instrument gefeilt worden sein. Das aber völlig zu recht, muss man zugeben, wenn man die ersten Töne des berühmten C-Dur-Präludiums hört: So fein und singend der Tonkörper des Flügels, so ist zugleich doch immer auch ein deutlicher, "knackiger" Druckpunkt auszumachen, der die Tongebung des Cembalos mit in den Klavierklang hineinnimmt. Dazu kommt Aimards ruhiger Duktus, der die Aufmerksamkeit des Hörers nicht mit virtuosem Schellenklingeln blendet, sondern - detailreich phrasiert - wie an der Hand durch die sauber gestaffelten Stimmverflechtungen und sanglichen Schönheiten dieses Tonarten-Kaleidoskops führt. Einfach bereichernd, dass Aimard - der sich vor allem als Interpret der Werke Messiaens und Boulez' seinen Namen gemacht hat - nun erstmals Bach aufgenommen hat.