Joseph Haydn

Sinfonien Nr. 1, 4, 5 & 10

Heidelberger Sinfoniker, Thomas Fey


Hänssler/Naxos 98633
(63 Min., 7/2011)

Und wie das rauscht! Die Streicher, Holzbläser und Hörner setzen zu einem richtigen Raketenstart an. Das Ziel: die (später so bezeichnete) Wiener Klassik. Kaum zu glauben, dass sich der junge Haydn mit dieser Sinfonie D-Dur als Erstlingswerk empfahl. Na gut, er war im Vergleich zu den Kollegen eher Karrierespätzünder, als er beim Grafen Morzin seine erste Dienststelle antrat, aber seine Hausaufgaben hatte er gemacht. Übermütige, spritzige Läufe, gestützt von fein verwobenen Gegenstimmen, die der gefällig polierten Oberfläche musikalisches Gewicht verleihen. Dazu eine ansteckende Lust am Hakenschlagen, an überraschenden Wendungen, Wirbeln und Trillern. Mit gerade einmal zwölf Musikern beginnt Haydn seine Entdeckungsreise im Reich sinfonischer Möglichkeiten, die sehr bald untrennbar mit seinem Namen verbunden sein werden.
Und diesem Haydn der Heidelberger Sinfoniker unter Thomas Fey glaubt man das. Auch in der nunmehr siebzehnten Folge ihrer Gesamteinspielung fliegt wieder der Staub, blitzt die kompositorische Brillanz und ist Haydn alles – nur nicht der altväterliche „Papa“. So aufgeräumt im Orchesterklang, präzise in den Hochgeschwindigkeits-Läufen, mal gepfeffert und mal sehnsuchtsvoll ausgesungen kriegt man diese Sinfonien derzeit nirgends. Würden sie doch nur häufiger so im Konzertsaal serviert, das Publikum ließe den Hauptgang bereitwillig stehen.

Carsten Hinrichs, 08.09.2012


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.



« zurück

CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der
RONDO-Redaktion

Des Menschen Herz sehnt sich einfach nach melodramatischen Sujets: Was die Biografik im Jahrhundert nach Wolfgang Amadeus Mozarts Tod an süßlichen Anekdoten über seine angeblich so bitteren Wiener Jahre als verkanntes, verarmtes Genie gesponnen hat, klebt noch immer wie Zuckerwatte vor der Linse unvoreingenommener Werkbetrachtung. Der Musikforscher Christoph Wolff hat hingegen kürzlich in einem Buch untermauert, dass das Lebensgefühl des Salzburgers in der Hauptstadt wahrscheinlich viel aufstrebender war. "Vor den Pforten meines Glückes" wähnte sich Mozart, angekommen in Wien, angestellt am Kaiserhof, und - wie Wolff nachweist - bemüht, in seiner Musik einen imperialen Stil zu etablieren. Kompositorisch selbstbestimmt klingt auch die These, die Nikolaus Harnoncourt mit seinem Concentus Musicus nun vertritt: Die drei letzten, ohne Kompositionsauftrag in nur gut zwei Monaten hintereinander weg komponierten Sinfonien sind nicht etwa das Röcheln eines Genies, das mit sterbender Hand nach dem Himmel reicht, sondern ein ehrgeiziges Projekt - ein Instrumental-Oratorium. Die Motivbezüge und enge Verwandtschaft hat schon Peter Gülke nachgewiesen, nun erklärt Harnoncourt die drei Werke zu einer in sich geschlossenen, dreiteiligen Handlung für Musik, eine freimaurerisch inspirierte Initiation. Was konkret er selbst dem Werk an melodramatischen Sujets dabei ablauscht, will er aber nicht verraten, denn "die Musik Mozarts ist Sprache und spricht für sich."