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Dmitri Schostakowitsch, Sergei Rachmaninow

Konzert für Cello und Orchster Nr. 1, Sonate für Cello und Klavier

Sol Gabetta, Olga Kern, Lorin Maazel, Münchner Philharmoniker

Sony 88725 435752
(67 Min., 9/2011 & 5/2012)

Um Seriosität bemühte Rezensionen von Sol-Gabetta-CDs haben oft diesen „Trotzdem“-Tonfall: Allzu problemfrei medienpräsent scheint die 1981 geborene Argentinierin zu sein, die seit 2010 gar BR-Fernsehmoderatorin ist, allzu „sonnig“ scheint die ARD-Preisträgerin namensgemäß daherzukommen, als dass man ihr tiefgehende, wahrhaft „erlebte“ Interpretationen komplexer und schwieriger Werke zutrauen würde.
Meistens schlagen diese Rezensionen bald in Bewunderung um: Obwohl Sol Gabetta ein Sonnenkind ist, schafft sie es mit der breiten Ausdruckspalette ihres Spiels und mit ihrer Fähigkeit, sich 150-prozentig auf eine interpretatorische Aufgabe einzulassen. So geschah es etwa 2008 mit dem zweiten Cellokonzert von Dimitri Schostakowitsch, und so gelang es nun auch mit dem „Ersten“, komponiert 1959 in bedrückter persönlicher Situation. Wie Gabetta etwa ihren ausdrucksvoll schwermütigen Part im Moderato endlos weit auszuspannen versteht, wie sie danach in der „Cadenza“ ihr Violoncello ganz allein mit beklemmender Unmittelbarkeit zum Sprachrohr für eine verwundete Seele macht – das ist phänomenal. Im letzten Satz führt sie dann den bitteren Totentanz des Orchesters mit großem, intensivem Ton und ungehemmter Virtuosität an – das Münchner Publikum hatte im September 2011 wahrlich einen großen Konzertabend.
Mit der Pianistin Olga Kern zauberte Gabetta dann Rachmaninows Cellosonate unter Studiobedingungen in die Konserve – auch das ein Erlebnis in Sachen geradlinige, unprätentiöse Expressivität, ganz zu schweigen von der schieren Schönheit und Kraftfülle des Cellotons. Kein Zweifel: Es ist an der Zeit, die „Trotzdem“-Einleitungen in Gabetta-Rezensionen aufzugeben. Hier ist eine große Künstlerin am Werk.

Michael Wersin, 08.09.2012



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