Franz Schubert

Klavierstücke

Olga Scheps


RCA/Sony 88691 963182
(62 Min., 4/2012)

Die deutsch-russische Pianistin Olga Scheps bleibt auf ihrem dritten Album dem eingeschlagenen Repertoire-Weg treu. Nach Chopin sowie russischen Meistern hat sie sich auch bei ihrem Schubert-Album ausschließlich auf Kleinigkeiten konzentriert. Statt Sonaten gibt es ausgewählte Klaviertänze, die Schubert hundertfach aus der Feder gesprudelt sind. Angefangen von Deutschen Tänzen über Ecossaisen und „Valses nobles“ bis zu Schuberts Beitrag zu dem von Anton Diabelli initiierten Walzer-Variationen-Projekt. Reichlich Gebrauchsmusik also, zwischen die Scheps immerhin drei Impromptus streut. Doch was ausschließlich als Kontrast zwischen biedermeierlicher Gute-Laune-„Schubertiade“ und romantischen Seelenschockern anmuten könnte, erweist sich bei Scheps als organische Verknüpfung der Stimmungs- und Gemütstemperaturen.
Natürlich bleibt bei Scheps ein vitaler „Cotillon“ so sprunggelenkig wie ein „Galopp“. Und bei den Ländlern darf man sich durchaus entspannt zurücklehnen. Aber wie hier sollte man auch bei den anderen hübschen Leichtgewichten nicht zu sehr abschalten. Denn bei Schubert muss man stets auf der Hut sein. Das Selbstquälerische, das bohrend Resignative, das überaus Empfindliche, mit dem bei ihm nicht zuletzt das liedhaft schönste Glück geschlagen ist – das schwingt in den unterschiedlichsten Dosierungen nahezu überall mit. Und Olga Scheps gelingt es nun, all die Schattierungen des Halbdunkeln mehr als nur sinnfällig zu machen. Dank ihres ungemein gegenwärtig wirkenden Spiels, das sich bei aller Noblesse durch eine kontrollierte Sensibilität auszeichnet, wirkt nichts überinterpretiert, sondern im Wesenskern getroffen. Der sogenannte „Kupelwieser-Walzer“ ist und bleibt bei ihr ein wunderschönes Gute-Nacht-Ständchen. Im hymnischen As-Dur-Impromptu D 935 hingegen schwingt jenes schicksalhafte Pochen mit, bei dem es einem heiß und kalt zugleich wird. Wer über so viel Intellekt und Fingerspitzengefühl verfügt wie Olga Scheps, der sollte sich auf seinem vierten Album mal mit Kleinigkeiten von Mozart beschäftigen.

Reinhard Lemelle, 08.09.2012


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.



« zurück

CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der
RONDO-Redaktion