Responsive image

Complete Soul

Nils Wogram-Septet

Nwog/harmonia mundi nWog 004
(65 Min., 6/2011)

Seine bisherigen Aufnahmen mit Root 70 oder dem Trio Nostalgia haben es klar gezeigt: In puncto Erfindungsgeist, Neugier und technischer Befähigung muss Nils Wogram den Vergleich mit dem großem Posaunen-Vorbild Albert Mangelsdorff nicht scheuen. Und so ist es nur konsequent, dass bei Wograms neuer Einspielung eine Mangelsdorff-Platte aus dem Jahr 1966 Pate stand.
Auf „Now Jazz Ramwong“ lotete Mangelsdorff mit seinem Quintett damals die Verbindungsmöglichkeiten zwischen asiatischer Folklore und moderner Jazzsprache aus. Mit dem Stück „Varunaprya“, das zu Beginn Klarinette, Bassklarinette und tieffrequente Posaunen-Multiphonics mantraartig aufeinander treffen lässt, zitiert Wogram vor allem im später einsetzenden Thementeil deutlich das Titelstück von Mangelsdorffs fernöstlicher Extravaganza. Auch das boppige „Motivation“ gemahnt an die Spielhaltung der 1966er-Aufnahme.
Sonst aber wählt Wogram einen komplett eigenständigen Weg. Sei es in der Besetzung, die sechs hochkarätige Bläser-Individualisten (darunter Klarinettist Claudio Puntin und Trompeter Matthias Schriefl) mit einem Schlagzeuger (John Schröder) kombiniert, sei es in der immer wieder streng arrangierten Klang-Architektur, sei es in der überschäumenden Stilvermischungsfreude. Auf „Complete Soul“ vernimmt man New-Orleans-Anklänge genauso wie alpenländische Glenn-Miller-Verrücktheiten („Zuerihorn“), man hört Rockiges, Freies und verschroben Balladeskes. Was das ist? Wogram, das Land des großen Vorgängers Mangelsdorff mit der Seele suchend.

Josef Engels, 22.09.2012



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Komponieren war im 17. Jahrhundert (und weit darüber hinaus) eindeutig Männersache. Das Phänomen Barbara Strozzi bestätigt als Ausnahme umso mehr diese Regel. Zu verdanken hatte die Italienerin ihren beachtlichen Weg nicht nur ihrem grandiosen Talent, sondern auch einem kunstliebenden Vater, der sie förderte: Giulio Strozzi war Dichter und Librettist, in seiner 1637 gegründeten „Accademia degli Unisoni“ traf sich die künstlerische High Society Venedigs. Und seine Tochter nutzte die […] mehr »


Top