Johan Svendsen

Orchesterwerke Vol. 2: Cellokonzert, Sinfonie Nr. 2, Norwegische Rhapsodien Nr. 3 & 4

Truls Mørk, Neeme Järvi, Bergen Philharmonic Orchestra


Chandos/Note 1 CHAN 10711
(72 Min., 10/2010 & 10/2011)

Es ist völlig unverständlich, warum die skandinavischen Sinfoniker hierzulande (und eigentlich auch im übrigen Europa) fast gar nicht zu hören und deshalb auch so gut wie unbekannt sind. Deshalb ist es umso verdienstvoller, dass Chandos nach der Einspielung von Johan Halvorsens Orchesterschaffen jetzt auch die Werke seines musikalischen Ziehvaters Johan Svendsen (1840-1911) nach und nach auf CD herausbringt. Dabei erweist sich das Bergen Philharmonic Orchestra stets als engagierter und leidenschaftlicher Fürsprecher der heimatlichen Sinfonik. Und so kann man sich auch mit dieser zweiten Folge auf eine gewinnbringende musikalische Entdeckungsreise in den hohen Norden begeben. Denn obwohl nicht als Ersteinspielung gekennzeichnet, handelt es sich beim hier zu hörenden Cellokonzert meines Wissens um eine CD-Premiere.
Das Werk fällt ganz aus dem üblichen Rahmen, weil es sich jeder virtuosen Protzerei verweigert, nicht auf die Auseinandersetzung zwischen Solist und Orchester setzt, sondern sich vielmehr lyrisch-schwelgerisch gibt und die Melodielinie in großen Bögen entfaltet – und diese Melodielinie lässt Truls Mørk sein herrliches Montagnana-Cello innig singen. Auch Svendsens zweite Sinfonie entfaltet unter Neeme Järvis Händen ihren ganzen Reiz, lediglich das Scherzo nimmt der estnische Großmeister etwas zu gemächlich, da gerät das Allegro giusto eher zum Andante comodo. Als Meister der Farben stellt Järvi Steigerungen und Höhepunkte nicht übergroß heraus, sondern integriert sie geschickt in den großen Fluss des Werkes. Wir dürfen uns schon jetzt auf Folge 3 freuen!

Michael Blümke, 22.09.2012


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.



« zurück

CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der
RONDO-Redaktion

Dieser Mann ist ein Phänomen: Nicht erst seit der Film "Pianomania" Einblicke in die verfeinerte, ja zuweilen heikle Klangästhetik Pierre-Laurent Aimards gab, dessen Vorstellungen der hauseigene Klavierstimmer Stefan Knüpfer mit großer Hingabe zu folgen versuchte, ist der Franzose als Perfektionist bekannt. Und auch für seine Einspielung des "Wohltemperierten Klaviers I" von Johann Sebastian Bach dürfte wieder ordentlich am Instrument gefeilt worden sein. Das aber völlig zu recht, muss man zugeben, wenn man die ersten Töne des berühmten C-Dur-Präludiums hört: So fein und singend der Tonkörper des Flügels, so ist zugleich doch immer auch ein deutlicher, "knackiger" Druckpunkt auszumachen, der die Tongebung des Cembalos mit in den Klavierklang hineinnimmt. Dazu kommt Aimards ruhiger Duktus, der die Aufmerksamkeit des Hörers nicht mit virtuosem Schellenklingeln blendet, sondern - detailreich phrasiert - wie an der Hand durch die sauber gestaffelten Stimmverflechtungen und sanglichen Schönheiten dieses Tonarten-Kaleidoskops führt. Einfach bereichernd, dass Aimard - der sich vor allem als Interpret der Werke Messiaens und Boulez' seinen Namen gemacht hat - nun erstmals Bach aufgenommen hat.