Kubic’s Monk

Pierrick Pédron


ACT/Edel 1095362ACT
(46 Min., 6/2012)

Der Pianist Thelonious Monk spielte am 7. Juni 1954 in Paris Soloaufnahmen ein, in denen er die Quintessenz seiner Kompositionen frei von allem schmückenden Beiwerk bloßlegt. Das Trio des französischen Altsaxofonisten Pierrick Pédron legt nun eine ähnlich konzentrierte Bearbeitung von elf Monk-Titeln vor – und dies unter erschwerten Bedingungen. Denn zu dem Trio zählen der Bassist Thomas Bramerie und der Schlagzeuger Franck Agulhon – also kein Pianist. Lediglich in den drei Titeln „Who Knows“, „Sixteen“ und „Four In One“ haben sie mit Ambrose Akinmusire einen Trompeter neben sich, der sich hervorragend in ihr Konzept einfügt. Für diese Besetzungen mussten sie die komplexe, sperrige Harmonik und die auch nicht gerade eingängige Rhythmik der Monk’schen Kompositionen von Grund auf neu aufbereiten und an ihre Besetzung anpassen.
Dies gelang, und so greifen in ihren Bearbeitungen die Instrumente so selbstverständlich ineinander, als hätte Monk die Stücke bereits für dieses Trio geschrieben. Dabei verdeutlichen manche Wendungen von Saxofon und Trompete Monks Nähe zu den Bebop-Solisten – doch sie gehen ähnlich wie Monks Kompositionen wesentlich weiter als dies in der Umbruchzeit gegen Ende des zweiten Weltkriegs und den ersten Jahren danach üblich war. Sie nehmen die Stücke aus den 1950ern und transportieren sie in die 2010er, indem sie – historisch und stilgeschichtlich informiert – viele Elemente der frühen Jahre aufgreifen und herzerfrischend frech kombinieren. Dabei bleiben sie wesentlich näher an den Themen als der Saxofonist Sonny Rollins an jenem 3. November 1957, an dem er ebenfalls mit einem pianolosen Trio „A Night At The Village Vanguard“ mitschneiden ließ und den Weg zu tranceartigen Meditationen öffnete. Hiervon sind Pédron und Gefährten in ihrer Hommage an einen der größten Komponisten des Jazz der 1950er Jahre weit entfernt. Ihre Stärke ist das fokussierte, präzise Spiel mit der Historie.

Werner Stiefele, 29.09.2012


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.



« zurück

CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der
RONDO-Redaktion

Wirklich nur "Melancholie des Unvermögens"? Dem giftgezähnten Kanzelspruch Friedrich Nietzsches über Johannes Brahms mag man sich nicht mehr anschließen, wenn man von der vollmundigen Reife seines Chorwerks auch nur gekostet hat. Unvermögen nein, Melancholie: aber ja! Sein Schaffen im letzten Lebensdrittel ist bei Rücknahme der technischen Mittel zugleich von bittersüßer Wehmut und teilweise auch recht herben Tönen des Verzichts getragen. Diese Klangfarben machen auch die Auswahl an späten Chorwerken, die die Capella Amsterdam unter Daniel Reuss nun aufgenommen haben - blitzblank intoniert, warm im Klang und im Verhältnis der Stimmlagen hervorragend abgeschmeckt - zu einer schönen CD-Empfehlung zum Totensonntag. Der geistliche […] mehr »