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Jakob Karlzon 3


ACT/Edel 1095332ACT
(54 Min., 4 & 5/2012)

Man kann nicht behaupten, dass Jakob Karlzons musikalische Interessen zu eng gesteckt wären. Der schwedische Pianist hat ein Album mit Ravel-Bearbeitungen aufgenommen, ist Begleiter der Pop-Jazz-Sängerin Viktoria Tolstoy, schwärmt für zeitgenössischen Heavy Metal und findet es in keiner Weise verwerflich, Synthesizer auf seinen Platten einzusetzen.
Wohin diese eklektizistische Haltung führt, kann man auf Karlzons neuntem unter eigenem Namen eingespielten Album bestaunen. Sei es der deutliche Einfluss von E.S.T., der sich im CD-Auftakt „Running“ zeigt, sei es das Spiel mit der Elektronik und minimalistischen House-Grooves, das bei „Between Us“ und „Departure“ eine Nähe zu Bugge Wesseltofts New Conception of Jazz offenbart – man hört mit jedem Ton, dass hier ein Skandinavier am Werk ist. Vor allem natürlich auch dann, wenn Karlzon mit „Fool's Gold“ und „The Riddle“ nordisch Folkloristisches hören lässt. Letzteres, der 80er-Jahre-Hit von Nik Kershaw, klingt so, als wäre Jan Johansson, der Urvater der schwedischen Piano-Moderne, wieder von den Toten erwacht.
Was Karlzon, Bassist Hans Andersson und Schlagzeuger Jonas Holgersson von anderen skandinavischen Klavier-Trios dann doch ziemlich unterscheidet, ist der Spaß an rockiger Ausgelassenheit. Ein Stück wie „Dirty“, das auch von Rammstein stammen könnte, oder das Cover „Here To Stay“ der amerikanischen Metalband KoRn sind doch recht erfrischend im Vergleich zu manchen Melancholie-Jazz-Erzeugnissen aus dem hohen Norden.

Josef Engels, 06.10.2012


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Dieser Mann ist ein Phänomen: Nicht erst seit der Film "Pianomania" Einblicke in die verfeinerte, ja zuweilen heikle Klangästhetik Pierre-Laurent Aimards gab, dessen Vorstellungen der hauseigene Klavierstimmer Stefan Knüpfer mit großer Hingabe zu folgen versuchte, ist der Franzose als Perfektionist bekannt. Und auch für seine Einspielung des "Wohltemperierten Klaviers I" von Johann Sebastian Bach dürfte wieder ordentlich am Instrument gefeilt worden sein. Das aber völlig zu recht, muss man zugeben, wenn man die ersten Töne des berühmten C-Dur-Präludiums hört: So fein und singend der Tonkörper des Flügels, so ist zugleich doch immer auch ein deutlicher, "knackiger" Druckpunkt auszumachen, der die Tongebung des Cembalos mit in den Klavierklang hineinnimmt. Dazu kommt Aimards ruhiger Duktus, der die Aufmerksamkeit des Hörers nicht mit virtuosem Schellenklingeln blendet, sondern - detailreich phrasiert - wie an der Hand durch die sauber gestaffelten Stimmverflechtungen und sanglichen Schönheiten dieses Tonarten-Kaleidoskops führt. Einfach bereichernd, dass Aimard - der sich vor allem als Interpret der Werke Messiaens und Boulez' seinen Namen gemacht hat - nun erstmals Bach aufgenommen hat.