Al Jarreau and The Metropole Orkest Live

Al Jarreau


Concord/Universal 7233858
(62 Min., 4/2011)

Eigentlich genügt ein Wort: wunderbar. Al Jarreau, bei den Konzerten im April 2011 stolze 71 Jahre alt, interpretiert elf Titel so souverän, gefühlvoll und variationsreich, dass man zwar an manchen Tonfärbungen das Alter des Sängers erkennen kann, nicht jedoch am gesamten Gestus. Wie in den frühen Jahren seiner Karriere bewältigt er alle Tonsprünge mühelos. Er artikuliert wie immer höchst verständlich, und seine Phrasierung unterstreicht den Rhythmus der Texte. Grandiose Scat-Passagen und ein Ausdrucksspektrum von leisen, fast gehauchten Tönen bis zu kraftvollen Momenten würzen die elf Songs. Er hat zwar jeden davon schon ein- oder mehrmals eingesungen, doch durch den großen Klangkörper einer Bigband mit Streichern gewinnen sie einen völlig neuen, fülligeren Charakter. Dabei spricht für Jarreau, dass er nicht mit aus dem Körper gepresstem Volumen auf diese Umgebung reagiert, sondern so elegant und beweglich wie in der Umgebung einer Combo bleibt. Die Arrangements aus der Feder von Vince Mendoza erlauben dies, denn der ausgebuffte Tonsetzer weiß genau, wie er einerseits vielschichtige Orchesterklänge und andererseits die für eine Gesangsplatte notwendige Transparenz erzeugen kann. Bigband und Streicher wiederum federn, als sei ihnen die Jarreau-typische Mixtur aus Jazz, Funk, Rock und Entertainment in Fleisch und Blut übergegangen. Die aus zwei Konzerten mitgeschnittene Platte krönt die außergewöhnliche Karriere eines Ausnahmesängers. Es bleibt dabei: wunderbar.

Werner Stiefele, 06.10.2012


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Zu den zahlreichen Widersprüchen im Leben von Richard Strauss gehört auch, dass er zwar ein gutbürgerliches Dasein mit Plüschsofa und Sonntagsbraten zu schätzen wusste, aus seiner Abneigung des Bürgertums und der Religion - zumindest im Konzertsaal - keinen Hehl machte. Ein Jahr, nachdem er den Philistern mit seinem Satyrspiel vom "Till Eulenspiegel" eine lange Nase gedreht hatte, ließ der 32jährige sein Opus 30 "Also sprach Zarathustra" in Frankfurt uraufführen. Der berühmteste Sonnenaufgang der (Film-)Musikgeschichte ist schließlich nur der Vorhang zur aufwändig und kulinarisch instrumentierten Tondichtung über Fall und Aufstieg des Philosophen (in dem sich dessen Autor Friedrich Nietzsche zu einem guten Teil selbst porträtierte). Der eingängige Dreiklang des Beginns durchzieht als Tonchiffre der Natur das ganze Werk wie eine Mahnung, an der sich der Erleuchtete abzuarbeiten hat. Den trieb die Sehnsucht unter die stumpfe Herde seiner Mitmenschen, die - mit Straussschem Tonwitz persifliert - völlig der Religion und der trockenen Wissenschaft hörig sind. Genesung bringt dem Enttäuschten das göttliche Vergnügen des Tanzes (bei Strauss ein schwungvoller Walzer), bevor zum guten Schluss der menschliche Geist Zarathustras in überirdisch leuchtendem H-Dur-Akkord seinen Frieden findet. Das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg kombiniert unter seinem Chef François-Xavier Roth in der neusten Folge aller Strauss'schen Tondichtungen nun den "Zarathustra" mit dem Poem "Aus Italien" und besticht durch straffe Tempi und einen warmen, seidigen Orchesterklang, der - von der Tontechnik tiefenscharf eingefangen - die unzähligen Klangvaleurs Straussscher Instrumentation zum Leuchten bringt.