Al Jarreau and The Metropole Orkest Live

Al Jarreau


Concord/Universal 7233858
(62 Min., 4/2011)

Eigentlich genügt ein Wort: wunderbar. Al Jarreau, bei den Konzerten im April 2011 stolze 71 Jahre alt, interpretiert elf Titel so souverän, gefühlvoll und variationsreich, dass man zwar an manchen Tonfärbungen das Alter des Sängers erkennen kann, nicht jedoch am gesamten Gestus. Wie in den frühen Jahren seiner Karriere bewältigt er alle Tonsprünge mühelos. Er artikuliert wie immer höchst verständlich, und seine Phrasierung unterstreicht den Rhythmus der Texte. Grandiose Scat-Passagen und ein Ausdrucksspektrum von leisen, fast gehauchten Tönen bis zu kraftvollen Momenten würzen die elf Songs. Er hat zwar jeden davon schon ein- oder mehrmals eingesungen, doch durch den großen Klangkörper einer Bigband mit Streichern gewinnen sie einen völlig neuen, fülligeren Charakter. Dabei spricht für Jarreau, dass er nicht mit aus dem Körper gepresstem Volumen auf diese Umgebung reagiert, sondern so elegant und beweglich wie in der Umgebung einer Combo bleibt. Die Arrangements aus der Feder von Vince Mendoza erlauben dies, denn der ausgebuffte Tonsetzer weiß genau, wie er einerseits vielschichtige Orchesterklänge und andererseits die für eine Gesangsplatte notwendige Transparenz erzeugen kann. Bigband und Streicher wiederum federn, als sei ihnen die Jarreau-typische Mixtur aus Jazz, Funk, Rock und Entertainment in Fleisch und Blut übergegangen. Die aus zwei Konzerten mitgeschnittene Platte krönt die außergewöhnliche Karriere eines Ausnahmesängers. Es bleibt dabei: wunderbar.

Werner Stiefele, 06.10.2012


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.



« zurück

CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der
RONDO-Redaktion

Wunderkinder sind in der Klassischen Musik ein häufiges Phänomen, im Jazz dagegen scheint ein gewisses Mindest-Alter die Eintrittskarte in die obere Liga zu sein. Eindrucksvolle Ausnahme: Eldar Djangirov. Der 1987 in Kirgisistan Geborene kletterte schon als kleiner Knips auf den Klavierhocker, spielte Aufnahmen nach Gehör nach und entwickelte bald eine Vorliebe für Musiker wie Oscar Peterson und Bill Evans. „Entdeckt“ wurde er im Alter von neun Jahren, als er bei einem Jazzfestival in Nowosibirsk auftrat. Es folgten ein Studium in Amerika, Radio-Aufnahmen und Siege bei renommierten Jazzpiano-Wettbewerben. Und wer seine bei Sony erschienene Debüt-CD „Eldar“ von 2005 in die Anlage schiebt, wird erst einmal weggepustet von einem […] mehr »