Wait A Second

Magnolia


Jazzsick/In-akustik 0515055
(55 Min., 3/2012)

Zwischen den Stühlen ist auch Raum. Diesen loten die Sängerin Anne Hartkamp und der Gitarrist Philipp van Endert, zusammen das Duo Magnolia, mit Songs zwischen Kunstlied und Jazz aus. Über alle Zweifel erhabene Virtuosen sind die beiden, und exakt vorgetragene Unisono-Passagen geben einen Hinweis darauf, wie sorgfältig sie das Duo-Projekt betreiben.
Dabei bewegen sie sich auf einem Terrain, das von Jazzmusikern noch kaum ausgelotet wurde. Hell wirkt Hartkamps Stimme, und manchmal stellt sie die elektronische Nachbearbeitung in große, an Nachhall reiche Räume – allerdings nicht konsequent einen ganzen Song lang, sondern nur in Passagen. An anderer Stelle mengt die Elektronik Hartkamps Stimme Basslinien hinzu, obwohl diese Zusatzlinie als Störfaktor zwischen ihrer hellen, kristallinen Grundfärbung und dem geringfügig voluminöserem Gitarrenklang wirkt. Enderts Gitarre ist meist deutlich lokalisiert – allerdings manchmal auch in einem anderen akustischen Raum als die Stimme.
Obwohl die beiden meist dezent swingen oder sich auf Bossa Novas einlassen, entsteht nur selten das Gefühl der Leichtigkeit und Unbeschwertheit. Die zwölf Titel wirken eher wie detailreich und hart erarbeitete Kopfprodukte. So bewegen sie sich eher angespannt als relaxt zwischen den Stühlen. Noch blüht das Projekt „Magnolia“ nicht in der möglichen Schönheit. Es braucht Zeit, bis manche Pflanzen in voller Blüte stehen.

Werner Stiefele, 13.10.2012


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Dieser Mann ist ein Phänomen: Nicht erst seit der Film "Pianomania" Einblicke in die verfeinerte, ja zuweilen heikle Klangästhetik Pierre-Laurent Aimards gab, dessen Vorstellungen der hauseigene Klavierstimmer Stefan Knüpfer mit großer Hingabe zu folgen versuchte, ist der Franzose als Perfektionist bekannt. Und auch für seine Einspielung des "Wohltemperierten Klaviers I" von Johann Sebastian Bach dürfte wieder ordentlich am Instrument gefeilt worden sein. Das aber völlig zu recht, muss man zugeben, wenn man die ersten Töne des berühmten C-Dur-Präludiums hört: So fein und singend der Tonkörper des Flügels, so ist zugleich doch immer auch ein deutlicher, "knackiger" Druckpunkt auszumachen, der die Tongebung des Cembalos mit in den Klavierklang hineinnimmt. Dazu kommt Aimards ruhiger Duktus, der die Aufmerksamkeit des Hörers nicht mit virtuosem Schellenklingeln blendet, sondern - detailreich phrasiert - wie an der Hand durch die sauber gestaffelten Stimmverflechtungen und sanglichen Schönheiten dieses Tonarten-Kaleidoskops führt. Einfach bereichernd, dass Aimard - der sich vor allem als Interpret der Werke Messiaens und Boulez' seinen Namen gemacht hat - nun erstmals Bach aufgenommen hat.