Agostino Steffani

Mission

Cecilia Bartoli, Diego Fasolis, I Barocchisti


Decca/Universal 478 4732
(80 Min., 11/2011 - 3/2012)

Viel ist gerade wieder einmal die Rede von den Nebenerwerbstätigkeiten unserer Politiker. In die Musik hat es bisher keinen von ihnen verschlagen. Der umgekehrte Weg ist allerdings auch einträglicher. Das hat vor 300 Jahren schon Agostino Steffani demonstriert. Angefangen hat er als (sehr erfolgreicher) Komponist, wurde mit Mitte 20 zum Priester geweiht und brachte es bis zum Bischof. Außerdem war er auch im weltlichen Leben als Diplomat in kurfürstlichen Diensten sehr umtriebig. Mit 13 Jahren kam Steffani an den Münchner Hof und blieb bis an sein Lebensende 1728 in Deutschland, seine "Dienstreisen" führten ihn allerdings oftmals auch in die Heimat. Sein Leben ist so abwechslungsreich und aufregend wie seine Musik. Da steckt ein Rest Spätrenaissance drin, der die barocke Saftigkeit noch vielfarbiger schillern lässt und sie auch rhythmisch hier und da ein bisschen aufpeppt.
Man kann Cecilia Bartoli gar nicht genug danken, dass sie ihre "Marktmacht" nutzt, um diese Schätze einem breiten Publikum näher zu bringen. Von den 25 Arien auf diesem Album wurden bisher nur fünf anderweitig eingespielt. Und das ist mehr als bedauerlich, denn diese Musik sollte jeder Opernfan kennen. Nachdem Cecilia Bartoli für ihre letzte CD "Sacrificium" sehr intensiv an ihrer Technik gearbeitet hat, um gewisse stimmliche Exzesse und Defizite zu tilgen, kann man Steffanis Werke zudem in berückender und berauschender vokaler Pracht genießen. Für die instrumentale sorgen Diego Fasolis und seine exzellenten Barocchisti.

Michael Blümke, 13.10.2012


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Dieser Mann ist ein Phänomen: Nicht erst seit der Film "Pianomania" Einblicke in die verfeinerte, ja zuweilen heikle Klangästhetik Pierre-Laurent Aimards gab, dessen Vorstellungen der hauseigene Klavierstimmer Stefan Knüpfer mit großer Hingabe zu folgen versuchte, ist der Franzose als Perfektionist bekannt. Und auch für seine Einspielung des "Wohltemperierten Klaviers I" von Johann Sebastian Bach dürfte wieder ordentlich am Instrument gefeilt worden sein. Das aber völlig zu recht, muss man zugeben, wenn man die ersten Töne des berühmten C-Dur-Präludiums hört: So fein und singend der Tonkörper des Flügels, so ist zugleich doch immer auch ein deutlicher, "knackiger" Druckpunkt auszumachen, der die Tongebung des Cembalos mit in den Klavierklang hineinnimmt. Dazu kommt Aimards ruhiger Duktus, der die Aufmerksamkeit des Hörers nicht mit virtuosem Schellenklingeln blendet, sondern - detailreich phrasiert - wie an der Hand durch die sauber gestaffelten Stimmverflechtungen und sanglichen Schönheiten dieses Tonarten-Kaleidoskops führt. Einfach bereichernd, dass Aimard - der sich vor allem als Interpret der Werke Messiaens und Boulez' seinen Namen gemacht hat - nun erstmals Bach aufgenommen hat.