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Freedom Dance

Masaa

Aktivraum/Edel 1060102AKA
(50 Min., 4 & 8/2011)

„Multikulti“, „Integration“, „Migrationshintergrund“: Wie umständlich man in Deutschland mit dem Zusammenspiel verschiedener Kulturen umgeht, ist schon an den entsprechenden Wörtern abzulesen. Dabei geht es doch viel eleganter. Man muss nur das Quartett Masaa hören. Wort und Klang, Poesie und Jazz, arabische Melodielinien und europäische Kammermusik gehen da eine unerhörte Verbindung ein.
„Freedom Dance“, das Eröffnungsstück des Debüts, ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Auf ein Klavier-Intro des Pianisten Clemens Pötzsch, das an Avishai Cohen gemahnt, folgt eine faszinierende gegenseitige Durchdringung von Komposition und Solo-Arabesken. Marcus Rusts Trompete wird zum Gedichtrezitator, während der libanesische Sänger Rabih Lahoud den Text seines arabischen Gedichts gewissermaßen improvisiert, die Wörter abschmeckt, dreht und dehnt.
Der seit zehn Jahren in Deutschland lebende Lahoud, der unter anderem schon mit Markus Stockhausen zusammenarbeitete, ist ohnehin eine bemerkenswerte Erscheinung. Mal klingt er wie ein Soul-Crooner mit reichlich Kopfstimmen-Einsatz, mal wie ein europäischer Kammersänger (etwa im Stück „Masaa“), mal wie ein nahöstlicher Scat-Derwisch.
Seine deutschen Begleiter erweisen sich als perfekte Verwandte im Weltumarmungs-Geist. Vor allem der erfindungsreiche Schlagwerker Demian Kappenstein sorgt immer wieder für überraschende Klangereignisse. Ob Daumenklavier, Totentrommel, Tabla, Glockenspiel (oder was auch immer er da unter den Fingern hat) – es passt jederzeit bestens zu den atmosphärisch dichten Poesiegespinsten, die das Quartett da gemeinsam webt.
Das verdient offizielle Anerkennung. Allein schon deshalb, weil die Musik der Gruppe ungleich filigraner klingt als der Kategorie-Titel „Jazz mit ethnischen Einflüssen“, für die Masaa in Bremen unlängst mit dem erstmals ausgeschriebenen Bremer Jazzpreis ausgezeichnet wurde.

Josef Engels, 10.11.2012



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