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Samuel Barber

An American Romantic

Craig Hella Johnson, Conspirare

harmonia mundi HMU 807522
(79 Min., 9/2011) SACD

Für seine Einspielung des Requiems von Herbert Howells konnte das in Austin/Texas beheimatete Vokalensemble „Conspirare“ sehr gelobt werden angesichts der in jedem Moment hörbar werdenden „emotionalen Intensität“ des Gesangs, die den ansonsten hochprofessionellen Chorklang nicht im Mindesten negativ (etwa in puncto Vibrato) beeinflusste, trübte oder verunklarte. Im Blick auf die vorliegende CD mit Chormusik von Samuel Barber fällt das Urteil nicht so günstig aus: Freilich agieren die Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Craig Hella Johnson sehr routiniert, soweit Intonationsreinheit und Homogenität angesprochen sind. Darüber hinaus jedoch wird man das Gefühl nicht los, das Ensemble singe vor allem für sich bzw. auf sich selbst bezogen: Die Rundung des Klangs geht über weite Strecken zu Lasten des Textes; die beinahe hermetische Geschlossenheit der Performance scheint den Zuhörer förmlich zu exkludieren. Die Sänger schwelgen für sich auf Basis der genauen Kenntnis der Stücke, des „Woher“ und „Wohin“ der Musik. Piano-Effekte machen den Sound zudem immer mal wieder etwas mulmig: So braucht etwa der erste Akkord des bekannten „Agnus Dei“ merklich Zeit, bis er sich zu einer verstehbaren Harmonie formiert.
Dabei ist das eingespielte Repertoire, Chorwerke von Samuel Barber aus den Jahren 1935 bis 1971, ausgesprochen dankbar: Vielfältig sind die Sujets, die der „amerikanische Spätromantiker“ komponierend in den Blick genommen hat. Da ist etwa „A Stopwatch and An Ordonance Map“ für Männerchor und Pauken, das die Schrecken des spanischen Bürgerkriegs in Form einer kleinen dramatischen Szene repräsentiert. Da ist „The Virgin Martyrs“ nach einer Textvorlage des mittelalterlichen belgischen Mönchs Sigebert de Gembloux. Da ist schließlich der wundervolle „Easter Chorale“, ursprünglich für Chor, Blechbläser und Pauken, hier eingespielt in einer Bearbeitung für Kammerorchester und Chor. Aber trotz vieler schöner Momente bleibt der Eindruck, auf dieser CD klinge Vieles allzu gleich; und der Rezensent ist der Meinung, dass das zumindest nicht in erster Linie an Barbers Musik liegt.

Michael Wersin, 10.11.2012



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