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Georg Philipp Telemann

Hoffnung des Wiedersehens

Dorothee Mields, Michi Gaigg, L’Orfeo Barockorchester

dhm/Sony 88697901822
(68 Min., 3/2011)

Eine CD, die zur weiteren Profilierung von Georg Philipp Telemanns „Ruf“ ihren gewichtigen Teil beitragen wird: Lange Zeit wurde Telemann regelmäßig in Vergleich zur Kirchenmusik Johann Sebastian Bachs „gewogen“ und dann für „zu leicht“ befunden. Dass sich Telemann jedoch u.a. als Komponist von Opern und anderer weltlicher Vokalmusik auch ganz anderen Ausdrucksregionen und Stilmerkmalen zuwandte als der Thomaskantor, wurde dabei gern übersehen. Über welche Vielfalt der melodischen Erfindungsgabe und der Instrumentationskunst er dabei verfügte und wie differenziert er seelische Regungen auf Basis einer schon deutlich der „Empfindsamkeit“ und dem „Galanten Stil“ zuneigenden Tonsprache in Musik setzen konnte – das demonstrieren Dorothee Mields und die Musiker von „L’Orfeo Barock“ aufs Vortrefflichste besonders in der Kantate „Hoffnung des Wiedersehens“. Darum herum gruppieren sich u.a. Einlagearien Telemanns zu Opern Reinhard Keisers und Georg Friedrich Händels, die seinen Alltag als „Director musices“ des Hamburger Opernhauses am Gänsemarkt widerspiegeln.
Dorothee Mields‘ einzigartig flexibler und geschmeidiger Sopran mischt sich hervorragend mit den unterschiedlichsten instrumentalen Timbres. Bei aller Wandlungsfähigkeit trachtet die Sopranistin gleichzeitig immer danach, die ganz persönliche Charakteristik ihres Singens nicht aus dem Auge zu verlieren, wobei ihr neben anderem der präzise Umgang mit der Sprache hilft. Wenn auch der Barockgesang in der Generation nach Emma Kirkby immer wieder dem stilistisch völlig unscharfen Einerlei eines selbstverliebten Bartolismus zustrebt: Sängerpersönlichkeiten wie Dorothee Mields würdigen und verlebendigen durch ihr Tun die Errungenschaften einer verantwortungsvollen Beschäftigung mit der Materie.

Michael Wersin, 10.11.2012



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