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Richard Strauss

Sämtliche Lieder Teil 6

Elizabeth Watts, Roger Vignoles

Hyperion/Codaex CDA67844
(67 Min., 1/2012)

Im Jahre 2011 war die 1979 geborene englische Sopranistin Elizabeth Watts anlässlich ihres Bach-Programms beim Label harmonia mundi nicht allzu günstig zu bewerten gewesen. Vielleicht ist sie im Liedrepertoire von Richard Strauss doch deutlich besser aufgehoben. Ihr wurde die Ehre zuteil, die Folge 6 von Roger Vignoles‘ Gesamteinspielung der Strauss-Lieder ganz allein zu bestreiten – und sie schlägt sich gut in diesem spektakulären Getümmel der virtuosen Klavierbegleitungen, die Vignoles nicht nur in „Schlechtes Wetter“ (nach Heinrich Heine) effektvoll darzubieten versteht. Frau Watts verfügt über ein gutes Gespür für die deutsche Sprache, außerdem steht ihr ein recht sattes Stimmmaterial zur Verfügung, mit dem sie Strauss‘ kapriziöse Kantilenen energiegeladen, in puncto Timbre nicht ganz unähnlich der guten alten Vornamens-Vetterin Schwarzkopf, aber ohne die künstliche Vokalverfärbungsmanie der letzteren durchaus kompetent zu durchpflügen versteht. Kurzum: Es ist über weite Strecken eine Freude, wenngleich wir den im Programm enthaltenen Zyklus „Krämerspiegel“, jenes launige Musikverleger-Bashing nach Alfred Kerr, eigentlich eher von Männerstimmen zu hören gewohnt waren – ja, es scheint sich hier um die erste Einspielung dieser Lieder von einer Frau zu handeln. Aber warum nicht? Freilich: Fischer-Dieskau versuchte der satirischen Schlagrichtung der Texte einst mit drastischeren deklamatorischen Mitteln beizukommen, Watts dagegen kann sich stimmlagengemäß nicht so viele sprachliche Extravaganzen leisten, weil die höhere Sopranlage nicht dieselbe gestochene Schärfe der Diktion erlaubt. Sei’s drum: Wir haben diese CD gern gehört.

Michael Wersin, 01.12.2012



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