Responsive image
Gabriel Fauré, Johann Sebastian Bach

Requiem op. 48, Partita d-Moll, Choräle & Ciaconna

Gordan Nikolitch, Grace Davidson, William Gaunt, Nigel Short, Tenebrae, London Symphony Orchestra

LSO live/Note 1 LSO 0728
(68 Min., 5/2012) SACD

Es ist schon fast zu schön, wie Nigel Shorts Vokalensemble „Tenebrae“ gemeinsam mit dem London Symphony Orchestra Gabriel Faurés Requiem in der 1893er Version musiziert: Können Frauenstimmen-Kantilenen noch jugendlicher und geschmeidiger klingen, kann ein satter Tutti-Sound, das Orchester eingeschlossen, noch homogener sein, können Tenöre den „Agnus-Dei“-Beginn noch sauberer und gleichzeitig so von innen her belebt intonieren wie diese hier? Freilich, die Londoner Kirche St. Giles, wo diese Darbietung live aufgenommen wurde, gibt nicht den hallig-geheimnisvollen französischen Kathedralsound her, der uns bei den einschlägigen älteren Einspielungen so fasziniert hat – in denen der Chor natürlich niemals eine so perfekte Leistung ablieferte wie in der vorliegenden Aufnahme, das sei nochmals betont.
Grace Davidsons „Pie Jesu“ steht hier nicht nach: Knabenhafte Reinheit verbindet sich mit – vor allem in der tiefen Lage zart hörbar werdender – femininer Reife. Solche Qualitäten lassen die CD schon wegen des Fauré-Requiems empfehlenswert erscheinen. Da muss man sich gar nicht allzu ausführlich bei der eigenwilligen Vergesellschaftung dieses spätromantischen Renners mit Bachs Violin-Partita d-Moll samt Ciaconna plus Choralstrophen gemäß der musikalisch-theologischen Theorie Helga Thoenes aufhalten. Auch dies gelang interpretatorisch fabelhaft; die inhaltliche Stichhaltigkeit der Verknüpfung von Partita und Chorälen sei dem Hörer bzw. Beiheftleser selbst zur Beurteilung überlassen.

Michael Wersin, 08.12.2012



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top