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Antonín Dvořák

Sinfonie Nr. 9, Tschechische Suite op. 39

Claus Peter Flor, Malaysian Philharmonic Orchestra

Bis/Klassik Center BISSACD-1856
(76 Min., 8/2009 & 9/2010)

Eine wahrhaft gut gelungene, im Klang edle und ausgewogene, im Grunde durchaus empfehlenswerte Einspielung von Dvořáks „Neunter“, um die sich indes eine unangenehme Geschichte rankt: Das „Malaysian Philharmonic Orchestra“, gesponsert vom malaysischen Ölkonzern Petronas und unter der Leitung des deutschen Dirigenten Claus Peter Flor als absolut niveauvoller Klangkörper auch auf Tonträgern präsent, wurde vom englischem Musikjournalisten Norman Lebrecht kürzlich des verantwortungslosen Umgangs mit seinen Musikern bezichtigt. Es war bekannt geworden, dass u. a. Musiker-Verträge unter offenbar unakzeptablen Umständen nicht verlängert worden waren.
Lebrecht zitierte in seinem kurzen Kommentar allerdings Robert von Bahr, den Eigentümer des Labels „BIS“, in überspitzter Weise: Von Bahr habe das Orchester für „finished“ erklärt. Im Netz begann daraufhin ein recht rüder Email-Wechsel der beiden Herren: Von Bahr reklamierte für sich, er habe lediglich verkündet, es werde wohl so bald keine Neuaufnahmen mehr mit diesem Klangkörper geben. Zu allem Überfluss war gar nicht die vorliegende CD Anlass der Debatte (ein Irrtum Lebrechts), sondern eine früher veröffentlichte mit der „Achten“.
Wir ignorieren daher die ebenfalls in Lebrechts Blog zu findende Aufforderung, die CD zu boykottieren: Die hier vorgestellten Aufnahmen wurde bereits in den Jahren 2009 und 2010 produziert, wie ein Blick ins Beiheft zeigt. Claus Peter Flor legt eine hochkonzentrierte, konsequent durchgestaltete, sehr geradlinige und kraftvolle Interpretation der „Neunten“ vor, die wirklich Freude macht und im Plattenschrank des Sammlers ohne weiteres neben den einschlägigen Aufnahmen europäischer Orchester ihren Platz finden kann – und sei sie vielleicht auch der Schwanengesang des „Malaysian Philharmonic Orchestra“ beim Label BIS.

Michael Wersin, 22.12.2012



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