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Sternal Symphonic Society

Sebastian Sternal

Traumton/Indigo 968402
(61 Min., 9/2010 & 2/2011)

Es muss an Sebastian Sternals Heimatstadt liegen: Mainz gilt ja bekanntermaßen als die Stadt der Fußball-Konzepttrainer – und ähnlich wie Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel hat auch der 1983 geborene Pianist und Komponist einen ganz eigenen Matchplan.
Sternal lässt seine Symphonic Society im unorthodoxen 3-4-4-System spielen. Heißt im Klartext: In der Aufstellung des Mainzers steht ein Pianotrio neben vier Bläsern, die wiederum von einem Streichquartett flankiert werden. Namhafte Nachwuchskräfte aus dem wenigstens in Musikdingen erstklassigen Köln, wie der Geiger Erik Schumann, der Trompeter Frederik Köster, der Tenorsaxofonist Niels Klein oder der Pianist Pablo Held, stehen Sternal zur Verfügung. Aus diesen Jazz- und Klassik-Instrumentalisten hat er ein eingeschworenes Team geformt, das die Vorgaben seiner Kompositionen perfekt umsetzt.
Da wäre beispielsweise die Raumaufteilung zu loben, mit der sich in dem Stück „Prélude“ die Bläser-, Geigen- und Klavierschraffuren hin und her verschieben. Oder die Verschränkung von debussyhaftem Meeresrauschen in den Streicherstimmen mit dem insistierenden 6/8-Groove des Schlagzeugs zu nennen, die sich in „Caravelle“ beobachten lässt.
Sebastian Sternal schämt sich gottlob nicht für Schwelgereien und wunderbare, an so manchen italienischen Kicker erinnernde Pathos-Gesten (bestes Beispiel ist die von Köster getragene Ballade „Ghana“) – es liegt wohl daran, dass der Mainzer neben den Big-Band-Mourinhos Peter Herbolzheimer und Vince Mendoza nicht nur die üblichen Jazz-meets-Classic-Verdächtigen wie Strawinsky oder Ravel zum Vorbild hat, sondern auch Filmmusiker wie John Williams oder Danny Elfman durchaus zu schätzen weiß. Es steht jedenfalls außer Frage, dass Sternals Symphonic Society mit dieser Leistung reif für die Champions League ist.

Josef Engels, 22.12.2012



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