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Agostino Steffani

Mission

Cecilia Bartoli, Philippe Jaroussky, Diego Fasolis, I Barocchisti

Decca/Universal 074 3604
(60 Min., 6/2012)

Wenn sich Cecilia Bartoli erst einmal in einem Projekt festgebissen hat, läuft sie zu Hochtouren auf. Wie beim aktuellen Einsatz für den in Vergessenheit geratenen Barock-Komponisten, Diplomaten und Kirchenmann Agostino Steffani. Nach CD und sogar einem iPad-Spiel gibt es nun ihre „Mission“ auch auf DVD. Nun lagen Steffanis Wirkungsstätten zwar in seiner italienischen Heimat sowie in Hannover und Düsseldorf, doch Bartoli malte sich einfach mal aus, dass er sich bei seinem zweijährigen Paris-Aufenthalt sicherlich auch mal nach Versailles verlaufen hätte. Mit diesem Gedankenexperiment musste sich Regisseur Olivier Simonnet zwar erst mal anfreunden, schließlich aber sagte der Fachmann für das Musikerbe der Grande Baroque Nation zu und schrieb ein überraschend dünnes Drehbuch, in dem die Hauptperson unter dem Strich nur eine kleine Nebenrolle einnimmt.
Mit Franck Delage als glatzköpfigem Steffani wandelt man so durch das Schloss und macht überall in den Appartements, Gemäldegalerien und selbst in der Königlichen Kapelle Station, wo Bartoli zusammen mit dem altbewährten CD-Musikerteam um Dirigent Diego Fasolis sich für die Arien-Schätze ihres Landsmannes ins Zeug legt. Und dies schafft sie wie gewohnt unübertrefflich, mit mitreißender Koloraturenpower und zärtlich hingeworfenen Kusshänden. Dass sie im Repertoire zudem auch manche Entdeckungen bietet, die es nicht auf die CD geschafft haben – wie ein „Stabat Mater dolorosa“ –, darf man zu den weiteren, schlagenden Argumenten für diese Produktion zählen. Nur bei der Liebesarie „Mia fiamma“, die Bartoli zusammen mit Philippe Jaroussky singt, sollte man unbedingt die Augen schließen. Denn wie die beiden sich engumschlungen vor der atemberaubenden Kulisse des Versailler Parks da anschmachten, ist so kitschig wie eine Rosamunde Pilcher-Schmonzette.

Guido Fischer, 05.01.2013



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