Responsive image

Unfinished Business

Dean Brown

Moosicus/Indigo 971812
(70 Min., 2010 & 2011)

Mit dem Business kennt er sich bestens aus: Der Gitarrist Dean Brown wirkte seit den 80er Jahren auf über 200 Aufnahmen von Geistesverwandten wie Marcus Miller, den Brecker Brothers oder Joe Zawinul mit. Dass die eigene Musik da oftmals ein unerledigtes Geschäft bleiben muss, wie der Titel von Browns viertem Album unter eigenem Namen insinuiert, liegt nahe. Und so versammelt „Unfinished Business“ eine ganze Reihe von Stücken, die Brown in den vergangenen Dekaden geschrieben hat, aber nie einspielen konnte.
Da wäre beispielsweise die Komposition „Recon“, der glücklicherweise ihre Entstehung in den 80ern in keinster Weise anzuhören ist. Mit einer Bläsersektion und Percussion entfacht Brown ein zeitloses afrokaribisches Feuerwerk, das er mit einem atemlosen Solo zum Explodieren bringt. Überhaupt erweist sich der 57-Jährige als Hansdampf in allen Gassen des elektrifizierten Jazz. Mal legt er mit „Santo Para Mim“ eine bittersüß dahinschmelzende Latin-Nummer hin, für die Pat Metheny wohl seinen linken Arm hergeben würde, mal erweist er sich mit seinem stotternden Wah-Wah-Effekt in dem Stück „Headless Horseman“ als lebendes Bindeglied zwischen dem P-Funk George Clintons und dem Fusionjazz aus der „We Want Miles“-Phase.
Der rote Faden, der sich durch „Unfinished Business“ zieht, ist freilich der Blues. Vor so unterschiedlichen Vorbildern wie Wes Montgomery, B.B. oder Albert King verbeugt sich Brown mit mehreren Stücken. Dass er dabei immer mit seiner eigenen, stark rhythmisierten und in Sounddingen höchst variablen Stimme erkennbar bleibt, zeigt, dass der Gitarrist weit mehr ist als „nur“ einer der meistbeschäftigten Sessionsmusiker der Jazzrock-Szene.

Josef Engels, 12.01.2013



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top