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Alexander Skrjabin, Jean Sibelius

Glenn Gould – The Acoustic Orchestrations (Klaviersonate Nr. 5. op. 53, Deux Morceaux op. 57, 3 Sonatinas op. 67, Kyllikki op. 41)

Glenn Gould

Sony, 88725406572
(57 Min., 7/1970, 1972, 1976-77) + Bonus-DVD

„Es war außergewöhnlich ‒ einer der umwerfendsten Audioeffekte, die ich jemals gehört habe“. So beschrieb Glenn Gould 1974 in einem Interview die Wirkung, welche seine „akustische Orchestrierung“ des Beginns der fünften Klaviersonate von Skrjabin auf ihn machte. Im Zeitalter von Digitaltechnik und Surroundsound erscheint das Experiment, bei dem sich die Aufnahmeperspektive graduell verändert, nicht mehr ganz so spektakulär. Gould hatte vier Reihen von Mikrofonen in unterschiedlichen Abständen zum Klavier aufgestellt und das Ergebnis nachträglich neu gemischt, so dass man den Klang der Sonate aus unterschiedlichen Perspektiven wahrnehmen kann. Goulds Abmischung, die nicht erhalten ist, wurde auf der vorliegenden CD rekonstruiert, wobei sich das Verfahren sehr anschaulich in einer der CD beigelegten Filmdatei nachvollziehen lässt: Hier werden nämlich die Reglerbewegungen parallel zur Partitur eingeblendet. Die einzelnen Spuren sind auch als Wave-Dateien beigelegt, so dass Bastler am Rechner ihre eigene Rekonstruktion anfertigen können. So anregend das Experiment auch ist ‒ das musikalische Erlebnis vertieft es ebenso wenig, wie es ein 3D-Remake eines alten Schwarzweißfilmes täte. Überzeugender als die Skrjabin-Rekonstruktion wirken Goulds „akustische Orchestrierungen“ unbekannterer Sibelius-Stücke, die ebenfalls auf der CD zu hören sind. In seinen Klavierwerken dachte Sibelius oft zu orchestral und Goulds „akustische Orchestrierung“ kann zumindest diesen Mangel ausgleichen: Sie verleiht den Stücken eine größere räumliche Tiefe und wertet sie dadurch deutlich auf.

Carsten Niemann, 19.01.2013



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