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Revolution

Rusconi

Bee Jazz/Edel 1014018BJ
(47 Min., 2011)

Rusconi – das ist das definitiv etwas andere Jazz-Klaviertrio. Mochte man die drei Schweizer noch vor ein paar Jahren in eine Reihe mit e.s.t. oder The Bad Plus stellen, so beschreiten Pianist Stefan Rusconi, Kontrabassist Fabian Gisler und Schlagzeuger Claudio Strüby mittlerweile ganz eigene Wege. Das umfasst nicht nur die Musik, die sich vom Jazz-Mainstream deutlich Richtung Indie-Experimentalpop und Noise absetzt, sondern auch die Sparten Produktion und virale Verbreitung. Es dürfte derzeit wohl keine Jazzformation geben, die mit derart tollen Videos – im Stile von Michel Gondry – aufwarten kann.
Auf seinem mittlerweile fünften Album macht das Trio viele ungewöhnliche Sachen. Mal hört man die drei Musiker mit Falsett- oder Kehlkopfstimmen im Hintergrund summen, mal klingt die in hübsche Sound-Irritationen vernarrte Band so, als habe man sie mit einem Kassettenrekorder in einer schimmligen Besenkammer aufgenommen.
Es gibt auch einen Gaststar auf „Revolution“. Dass der ausgerechnet ein E-Gitarrist ist, überrascht zunächst. Schließlich tritt Rusconi mit Stücken wie „Massage The History Again“ oder seinem heimlichen Hit „Tempelhof“ den Beweis an, dass sich Rock-Ekstase auch prima mit einem Klavier und einem verzerrten Kontrabass herstellen lässt. Allerdings handelt es sich bei Fred Frith, der bei der Nummer „Alice In The Sky“ seine grimmigen Saiten-Kommentare zu dem von Piano und Schlagwerk vorgetragenen Glockenmotiv abgibt, wahrlich nicht um einen 08/15-Gitarristen.
Rechtfertigt das alles den vollmundigen Albumtitel „Revolution“? Nun, der bezieht sich eigentlich auf eine ganz andere Sache: Als Antwort auf die digitale Revolution haben sich die Schweizer in einem Manifest dazu entschlossen, ihre Musik kostenlos zum Download zur Verfügung zu stellen. „Liebevoll hergestellte“ CDs werde es weiterhin zum Verkauf geben – wie auch Konzerte. Dass sich der Eintrittspreis dafür lohnt, beweisen die beiden Live-Mitschnitte am Ende von „Revolution“ eindrucksvoll.

Josef Engels, 19.01.2013



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