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Antonín Dvořák

Streichquartett op. 95, Klavierquintett op. 81

Jerusalem Quartet, Stefan Vladar

harmonia mundi 901 1899
(65 Min., 6/2005) 1 CD

Dreizehn Jahre lang besteht das Jerusalem Quartet nun schon, in denen es bereits mit einigen namhaften Pianisten wie Daniel Barenboim und Mitsuko Uchida gearbeitet hat. Doch das Idealteam bildet es zweifelsohne jetzt mit Stefan Vladar. Nicht nur, weil beide Seiten in Dvořáks Klavierquintett op. 81 zeigen können, was sie spieltechnisch drauf haben. Im Musikantischen und im Gestalterischen sind die fünf Musiker einfach perfekt aufeinander abgestimmt, steckt selbst in dem herrlich elegischen "Andante con moto" eine Bewegtheit, bei der jedes Rubato als überflüssiger Ballast über Bord geworfen wurde. Hier wie im ganzen Werk steckt die Anteilnahme schließlich in jedem Partiturdetail, das zusammengeschweißt hat. Klar, plastisch kommen alle Nuancen zu ihrem Recht - zugleich werden sie mit einer Wärme, Spielfreude und Kraft, einem Feuer und einer farblichen Vielfalt aufgeladen und einem bestens ausbalancierten Timing angegangen, dass die melodischen Linien wie aus einem Guss daherkommen. Unter dem Strich ist es schlicht eine helle Freude, diese Fünferbande und ihre musikantische Spielintelligenz zu erleben. Weshalb man nur hoffen kann, dass sie sich demnächst auch an das Klavierquintett von Brahms wagen werden.
Zunächst zählt aber weiterhin die Gegenwart und das "Amerikanische Quartett" op. 95 von Dvořák. Und selbstverständlich bleibt das Jerusalem Quartet auch da seinen Tugenden treu. Der jugendliche Schwung spiegelt sich in der Plastizität und Wucht wider, mit der allein die Einzelstimmen im dritten Satz zupacken. Wobei nichts gegen den Strich gebürstet wird. Vielmehr sind solche Akzentsetzungen das Schmiermittel für eine temperamentvolle Gangart, mit der selbst den böhmischen Infusionen endlich und nachdrücklich der plumpe Folklorecharakter ausgetrieben wurde.

Guido Fischer, 16.09.2006



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