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Antonín Dvořák, Leoš Janáček

Streichquartett Nr. 13 op. 106, Streichquartett Nr. 2 "Intime Briefe"

Artemis Quartett

Virgin Classics/EMI 353399 2
(64 Min., 2/2003) 1 CD

Es flüstert und schreit, es keucht und kreischt, es schmeichelt und wütet - es fasziniert: Streichquartett muss heute nichts braves, biederes mehr an sich haben, muss nicht immer verdächtig nach keuschem, bürgertümlichem Gebildeten-Hobby klingen. Jüngere Ensembles wie das Artemis Quartett beweisen, dass man dem Hörer mit dieser so unerhört intimen Streichermusik ganz unvermittelt an die Kehle springen kann, wenn man das enthaltene Ausdruckspotential nicht allein in innere Spannung umwandelt, sondern vor allem auch nach außen wendet. Die Musik Dvořáks und Janáčeks offenbart auf diese Weise eine ungeahnte pure und packende Leidenschaftlichkeit, die bis in entfernte Seelenwinkel des Hörers vorzudringen vermag. Aber auch in den ruhigeren Passagen dieser wundervollen Musik erreicht jeder melodische Bogen mitreißende Spannung und Intensität - keine wirkliche Verschnaufpause wird dem Hörer gegönnt, gemütliches Einschlummern, wie es die bürgerliche Institution des Kammermusikabends impliziert, ist hier nicht möglich. Stattdessen spielen sich Dramen ab, die ein Höchstmaß an Aktualität auch für den Hörer der Gegenwart erreichen können, wenn er sich nur prinzipiell auf ihre Sprache einlässt. Wie präzise, wie vielschichtig und facettenreich werden auf dieser CD durch die geglückte Liaison zwischen erstklassiger musikalischer Substanz und souveräner, an Ausdrucksnuancen überreicher Interpretation Inhalte vermittelt, die uns alle angehen! Wenn die verwaisten Kammermusik-Reihen der Konzertveranstalter noch zu retten sind, dann so.

Michael Wersin, 22.12.2006



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