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Henri Dutilleux

Correspondances, Tout un monde lointain … u.a.

Barbara Hannigan, Anssi Karttunen u.a., Esa-Pekka Salonen, Orchester Radio France

DG/Universal 479 1180
(67 Min., 12/2011, 9/2012)

Mit seinen inzwischen 97 Jahren hat der Franzose Henri Dutilleux miterleben können, wie die Moden und Manifeste in der Neuen Musik-Szene schnell wieder von gestern waren. Und weil Dutilleux sich eben nie wie ein Fähnchen im Wind gedreht hat, sondern seinem avancierten Traditionsbewusstsein stets treu geblieben ist, hat er viele seiner Kollegen überlebt und wird weiterhin als einer der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart verehrt. Dass zu seinen Bewunderern auch der finnische Komponist und Dirigent Esa-Pekka Salonen zählt, hört man seiner Neuaufnahme von drei Dutilleux-Werken an. Denn Salonen lässt vom Orchestre Philharmonique de Radio France die Farben und Spannungen derart brillant und mit seismografischem Feingefühl ausmusizieren, als wolle jetzt gleichzeitig der Komponist Salonen etwas von der Musik Dutilleux´ lernen.
So vergisst man daher auch rasch, dass die ersten Skizzen für das 1970 uraufgeführte Cello-Konzert „Tout un monde lointain …“ bereits vor 60 Jahren entstanden sind. Unbeschadet hat dieses auf Gedichten von Charles Baudelaire basierende, fünfsätzige Werk die Zeit überlebt. Auf Anhieb wird man von den schillernden und schattenhaften Zügen gepackt, die dem Solo-Cellisten Anssi Karttunen bestens gelingen. Und die elementaren Turbulenzen wie auch die prismatisch angelegten Klangschichtungen inszeniert Salonen genau im Geiste von Debussy und Messiaen und damit von zwei Komponisten, die für Dutilleux wichtige Leitsterne waren. Ihnen begegnet man aber nicht nur in dem weltersteingespielten Lied-Zyklus „Correspondances“ wieder, den Dutilleux 2003 auf Gedichte von Rilke sowie auf Briefe von Alexander Solschenizyn und Vincent van Gogh geschrieben hat (melosstark und verführerisch sinnlich: Sopranistin Barbara Hannigan). Selbst im letzten der fünf Orchesterstücke „The Shadows Of Time“ (1997) machen Dutilleux und nun auch Salonen aus ihrer gemeinsamen Debussy-Liebe keinen Hehl.

Guido Fischer, 23.02.2013



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