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Henri Tomasi

Konzerte für Trompete und Posaune u.a.

Eric Aubier, Fabrice Millischer, Franҫois Boulanger, Sébastien Billard, Orchestre d’Harmonie de la Garde Républicaine

Indésens/Klassik Center INDE050
(56 Min., 5/2012)

Wir hatten es geahnt: Henri Tomasi (1901-1971) würde mit seiner Musik auch diesmal nicht enttäuschen. Und so ist es auch gekommen. Wir freuen uns über das launig-virtuose Trompetenkonzert des gebürtigen Marseillers korsischer Abstammung, komponiert 1948 so hemmungslos tonal (und stilistisch doch so individuell), wie es damals wohl überall außer in Deutschland möglich war. Dem umtriebigen Musiker, der z. B. 1930 bis 1935 ein Radio-Sinfonieorchester in Französisch-Indochina leitete, hat vermutlich auch kein Theodor W. Adorno auf die Finger geklopft, als er 1952 seine Ballettmusik „Les noces de cendres“ der Öffentlichkeit präsentierte – eine eigenwillige Abrechnung mit dem Krieg als solchem, in der eine junge Frau mit ihrem vom Schlachtfeld heimgekehrten Bräutigam tanzt und tanzt, ohne zu bemerken, dass sie in den Armen eines Geistes liegt: Der junge Mann ist an der Front gefallen, und der Totentanz mit seiner Braut kommt als melancholischer Blues daher, der sich zum Horror steigert.
Unter der Maßgabe, für ein großes Publikum zu schreiben und moderne Ausdrucksformen zwar nicht zu meiden, aber dennoch eine ansprechende Melodik im Repertoire zu führen, hat Tomasi im Jahre 1956 auch ein hochvirtuoses Posaunenkonzert komponiert, das dem Trompetenkonzert nicht nachsteht. Und zu guter Letzt präsentieren noch drei meisterhafte Solo-Trompeter die intrikate „Suite pour trois trompettes“ – blitzsauber intoniert und mit warmer Intensität schlechthin perfekt vorgetragen. Eine großartige CD, vom Anfang bis zum Ende.

Michael Wersin, 02.03.2013



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