Responsive image
Antonín Dvořák

Klavierquintett, Bagatellen

Ensemble Explorations, Frank Braley

harmonia mundi HMC 901880
(54 Min., 11/2004) 1 CD

Noch eine Aufnahme von Dvořáks Klavierquintett – muss das denn überhaupt sein? Ja, es muss und mehr noch: Wer einmal gehört hat, wie Frank Braley und das Ensemble Explorations diesen Evergreen der romantischen Kammermusik spielen, der darf getrost alle anderen Aufnahmen vergessen. Das Geheimnis dieser Aufnahme ist die absolute musikalische Gleichberechtigung der fünf Musiker, die klanglich durch die Wahl eines historischen Flügels aus der Entstehungszeit des Stücks gesichert wird. Der silberhelle, schlanktönige Steinway deckt nie die Streicher zu, sondern ermöglicht einen Dialog auf Ohrenhöhe, dessen Spannung in keinem Augenblick nachlässt. Endlich einmal zerfällt beispielsweise der Kopfsatz nicht in retardierend melodienselige und dramatische Episoden – stattdessen machen die Explorationsstreicher um den fabelhaften Cellisten Roel Dieltiens hörbar, wie raffiniert Dvořák jeden Stimmungswechsel vorbereitet. Was zwischen Streichern und Klavier gilt, gilt gleichermaßen für das Verhältnis der Streicher untereinander. Die Explorationsmusiker haben viel Neue Musik gespielt, und die dort oft geforderte Unabhängigkeit der Einzelstimmen hat offenbar zu überraschend selbstbewussten, lebendig artikulierenden Binnenpulten geführt. Selbst wer dieses Quintett zu kennen glaubt, wird fast in jedem Takt bislang ungehörte Details entdecken, die sich dennoch stimmig in die große Form einordnen. Als Dreingabe und nostalgischen Chill-Out enthält die CD noch die Bagatellen op. 47 mit Harmonium, ein allerdings etwas knapp bemessener Füller. Dennoch eine der schönsten Kammermusik-CDs seit Langem.

Jörg Königsdorf, 02.06.2007



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beethovens Bruder: Der Franzose George Onslow gehört zu jenen Musikern, die einst weit über die Ländergrenzen hinweg berühmt waren und noch zu Lebzeiten miterleben mussten, wie ihre Musik vom Lauf der Geschichte überholt wurde. Dabei erwarb sich Onslow vor allem mit seiner Kammermusik in Deutschland so viele Freunde, dass Mendelssohn ihm bei seinem Besuch 1846 in Aachen ein Ehrenkonzert widmete. Onslows Leben ist ein Spiegelbild seiner unruhigen Zeit. Als Sohn eines aus England nach Paris […] mehr »


Top