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César Franck, Alexandre Guilmant, Charles-Marie Widor u.a.

Das Genie des Cavaillé-Coll

Olivier Latry, Pierre Pincemaille, Kurt Lueders, Daniel Roth u.a.

Fugue State Films/Naxos FSFDVD007
(499 Min., 2012) 3/2 DVDs

Mit einer monumentalen Orgel für den Petersdom in Rom wollte sich Aristide Cavaillé-Coll endgültig ein Denkmal setzen. Und bereits zwanzig Jahre vor seinem Tod im Jahr 1899 stand der Entwurf. Doch Cavaillé-Colls Traum blieb unerfüllt. Und selbst heute zeigt sich der Vatikan von den Plänen und Finanzierungsvorschlägen unbeeindruckt, mit denen sich besonders der Saarbrücker Basilika-Kantor Bernhard Leonardy seit Jahren für den Bau der Cavaillé-Coll-Orgel einsetzt. Natürlich streift auch die DVD-CD-Dokumentation „Das Genie des Cavaillé-Coll“ dieses Projekt. Im Mittelpunkt stehen aber 17 von immerhin rund 500 Instrumenten, die der französische Orgelbau-Visionär im 19. Jahrhundert realisieren konnte.
Nun sind die meisten der hier vorgestellten Orgeln keine Unbekannten. Denn ob es sich um Cavaillé-Colls erstes bahnbrechendes Kunstwerk handelt, das er für die Kathedrale von Saint-Denis gebaut hat, oder um die Instrumente in der Pariser Kirche Saint-Sulpice und in der Kathedrale Notre-Dame – sie alle haben die Revolution in der französischen Orgelmusik mit ausgelöst. Auf den beiden CDs lernt man darüber hinaus anhand exemplarischer Kompositionen von César Franck über Alexandre Guilmant und Maurice Duruflé bis hin zu Charles-Marie Widor auch jene Orgeln kennen, die in der französischen Provinz versteckt sind. Ihren außergewöhnlichen Rang verdankt diese Edition jedoch den drei DVDs. Widmet sich die erste DVD dem Leben des Workaholics Cavaillé-Coll, der von seinen Biografen als ein äußerst bescheidener und integrer Mann beschrieben wird, bieten die zwei weiteren DVDs einen exklusiven Blick hinter die Orgel-Kulissen. Titular- und Starorganisten wie Olivier Latry, Pierre Pincemaille und Daniel Roth erläutern und demonstrieren an ihrem Arbeitsplatz ausführlich die unzähligen Pioniertaten von Cavaillé-Coll, die bei der Windversorgung (Parallelbälge) begannen und beim Schwellwerk aufhörten. Die rundherum exzellent gestaltete Würdigung richtet sich zwar eher an Orgel-Spezialisten. Zugleich möchte man sie aber auch den Entscheidungsträgern in Rom wärmstens ans Herz legen.

Guido Fischer, 16.03.2013



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