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No Beginning No End

José James

Blue Note/EMI 705802
(65 Min.)

Es ist nicht ohne Ironie: Da legt eine der größten Hoffnungen des männlichen Jazzgesangs sein Debüt bei Blue Note vor, dem Jazz-Label schlechthin, und erklärt im gleichen Atemzug, dass er nicht mehr als Jazzvokalist wahrgenommen werden wolle. Und in der Tat: „No Beginning No End“ ist meilenweit von den sensiblen Standardbearbeitungen entfernt, die der US-Amerikaner José James noch 2010 mit dem belgischen Pianisten Jef Neve aufgenommen hat.
Gleichwohl wäre es ein Fehler, James' Blue-Note-Premiere aufgrund ihres starken Soul- und gelegentlichen Songwriter-Einschlags (etwa bei den Stücken „Come To My Door“ oder „Heaven On The Ground“) gänzlich in die Pop-Ecke zu stellen. Ganz im Gegenteil: Mit der eigentümlichen Beat-Philosophie, die ein Großteil der Songs auf „No Beginning No End“ bestimmt, sorgt James für eine Revolution im Spannungsfeld zwischen Jazz und HipHop.
Es liegt an den Schlagzeugern: Chris Dave, den man von Robert Glasper kennt (der im Übrigen auch mitwirkt), und Richard Spaven sind Spezialisten mikrorhythmischer Verschiebungen und Asymmetrien. Sie verfertigen in Stücken wie „Trouble“, „Vanguard“ oder „Make It Right“ eine ganz neue Art von Groove: leicht stolpernd, aber dabei ungemein sogkräftig. Man könnte von Swing 2.0 sprechen.
James' Stimme passt sich da wunderbar ein. Sein zurückhaltender Bariton kommt im bläserriffgespickten Neo-Soul-Kontext à la D'Angelo genauso prächtig zum Tragen wie in der gemeinsam mit Hindi Zahra bestrittenen Afrojazz-Nummer „Sword + Gun“ oder in der stillen Ballade „Tomorrow“. „No Beginning No End“ macht deutlich: José James hat sich keinesfalls vom Jazz verabschiedet, sondern erweitert seine Grenzen aufs Schönste.

Josef Engels, 16.03.2013



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